Das ist Transaktionsanalyse (TA) - Eine Theorie für die Praxis

Fällt das Wort Transaktionsanalyse, denken viele zunächst an Banktransaktionen. Tatsächlich handelt es sich aber um ein äußerst konkretes psychologisches System, um Menschen und menschliche Beziehungen besser zu verstehen.

Im Unterschied zum altbekannten Sender-Empfänger Modell der Kommunikationstheorie wo von Kommunikationseinheiten gesprochen wird, spricht man in der Transaktionsanalyse von Transaktionen. Bei einer Transaktion geht es um den Austausch von Informationen zwischen den Ich-Zuständen von zwei Personen. 

Das sind Ich-Zustände:

Die Transaktionsanalyse geht dabei davon aus, dass sich Menschen in unterschiedlichen Situationen und Kontexten (beruflich/privat) in unterschiedlichen Zuständen befinden.

Sie glaubt, dass dies Auswirkungen auf die mögliche Interpretation der gesendeten und empfangenen Information hat. Um die unendlich große Zahl der möglichen Zustände handhabbar zu machen, hat die Transaktionsanalyse eine Vereinfachung auf sechs Persönlichkeitshaltungen vorgenommen. Man kann sie sich vorstellen wie ein inneres Team. Um dies noch weiter zu reduzieren, werden diese Persönlichkeitshaltungen drei gut unterscheidbaren Ich-Zuständen zugeordnet.

  1. Einem Eltern-Ich Zustand (EL) (Wertungen, Konventionen, Gewissheiten, Haltungen)
  2. Einem Erwachsenen-Ich Zustand (ER) (Informationen, Sachbezug, Klärungen, Objektivität)
  3. Einem Kind-Ich Zustand (K) (Reaktionen auf vermeintliche Elternbotschaften, Ausdruck von Begeisterung, Lust und Gefühlen wie Wut, Trauer, Angst und Freude).
Ich Zustände Transaktionsanalyse

Jeder Mensch besitzt drei Ich-Zustände: Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich

Auf den Punkt gebracht: Kommunikation ist Informationsaustausch zwischen Personen, eine Transaktionen ist ein Informationsaustausch zwischen Ich-Zuständen.

Mit Hilfe dieses verfeinerten Analyse-Instruments kann die Transaktionsanalyse Mikroeinheiten der Kommunikation beobachtbar und beschreibbar machen. So kann sie Wirkungen im Kommunikationsverlauf erklären, die andere Kommunikationsmodelle nicht erklären können.

Beispiel 1:

  • Gesendet aus Erwachsenen-Ich: "Wie spät ist es?"
  • Empfangen im Erwachsenen-Ich: "Es ist kurz nach neun."
  • Ist gleich: Der Austausch einer Transaktion zwischen Erwachsenen-Ich und Erwachsenen-Ich
Transaktionanalyse parallele Transaktion

In der Transaktionsanalyse werden Eltern-, Erwachsenen- und Kind-Ich-Zustand häufig so abgekürzt

Beispiel 2:

  • Gesendet aus Erwachsenen-Ich: Wann hast du vor das zu erledigen?
  • Gehört im  (rebellischen) Kind-Ich: Das wirst du schon sehen.
  • Ist gleich: Der Austausch von Transaktionen zwischen Erwachsenen-Ich und (rebellischem) Kind-Ich
Transaktionsanalyse gekreuzte Transaktion

Die Transaktionsanalyse spricht hier von einer gekreuzten Transaktion

Beispiel 3:

  • Gesendet aus dem Eltern-Ich: Das will ich nicht noch einmal erleben!
  • Gehört im (braven) Kind-Ich: Ich werde mich ab jetzt mehr anstrengen.
  • Ist gleich: Der Austausch von Transaktionen zwischen Eltern-Ich und Kind-Ich.
Eltern Kind Transaktion Trasnaktionsanalyse

Der Verlauf einer Eltern-Kind-Transaktion

So kann man jeden Kommunikationsprozess nach dem Austausch von Ich-Zustand zu Ich-Zustand analysieren. Man analysiert die  Transaktionen. Von daher hat sich der Name Transaktionsanalyse für das gesamte System abgeleitet. Tatsächlich enthält das System der Transaktionsanalyse aber viele weitere aufschlussreiche Konzepte. 

Bei der Analyse kann man auf grund der identifizierbaren Wirkungen und der verwendeten Sprachformen Rückschlüsse ziehen auf die Sichtweise:

  • von sich selbst,
  • auf andere,
  • auf die die Welt im Allgemeinen und welche Haltung man dazu hat.

Allein schon dieses eine Konzept hilft Beziehungen besser zu verstehen und ein erfüllteres Miteinander zu schaffen. 

TA Transaktionsanalyse und Eric Berne: Geschichte, Grundannahmen und Definitionen

Eric Berne hat die TA Transaktionsanalyse begründet. Er wurde 1910 als Eric Lennard Bernstein in Kanada geboren. Später hat er sich in Eric Berne unbenannt, in den USA als Psychiater praktiziert und die US-Staatsbürgerschaft angenommen.

Transaktionsanalyse Eric Berne

Eric Berne - der Begründer der Transaktionsanalyse

Dr. Berne hat sich über viele Jahre mit dem Phänomen “Intuition” beschäftigt und damit auch seine Beobachtungen geschärft, welche Ausdrucksformen und beobachtbaren Hinweise eine bestimmte Intuition auslöste und in eine bestimmte Richtung brachten. Dabei fiel ihm auf, dass seine Klienten sich in wahrnehmbar anderen Zuständen zeigten (Ich-Zustände). Fast so als wären es verschiedene Personen.

Aus diesen Beobachtungen formte er die ersten Konzepte einer einzigartigen Theorie der innerpsychischen Dynamiken und der Beziehungsdynamiken zwischen Menschen. Als psychoanalytisch ausgebildeter Arzt praktizierte er neuartige Formen der Therapie und entfernte sich zusehends von seinen alten Lehren.

Als er 1956  einen Antrag zur Aufnahme in die psychoanalytische Gesellschaft stellte, wurde dieser abgelehnt. Angespornt durch diese Ablehnung entwickelte Berne immer mehr eigene Konzepte psychotherapeutischer Arbeit aus der sich die TA entwickelte. In den 1960er Jahren wurde Dr. Berne und die Transaktionsanalyse durch die Veröffentlichung seines Buches “Games People Play” in den USA populär (Erschienen 1964, in deutsch unter dem Titel “Spiele der Erwachsenen” 1967).

Er versammelte zu dieser Zeit schon viele interessierte Psychologen und Psychiater in den legendären “San Francisco Seminaren” um sich. Diese entwickelten ihrerseits neue und spannende Konzepte in Anlehnung an das Theoriegerüst von Berne. 1964 entstand die Internationale Gesellschaft für Transaktionsanalyse (ITAA) in San Francisco.

Es war Eric Berne und seinen Mitstreitern ein Anliegen auf Augenhöhe mit Patienten zu arbeiten. Sie  wollten nicht “behandeln” sondern die persönlichen Ressourcen und die Ressourcen der Therapiegruppe nutzen um Wege zur Heilung und persönlichen Entwicklung zu bahnen.

In dieser Zeit des gesellschaftliche Wandels, weg von Erstarrung, Rassismus und hin zur sexuellen Befreiung, sind auch die Grundüberzeugungen der Transaktionsanalyse entstanden. Hier eine Übersicht:

Transaktionsanalyse Grundüberzeugungen

Hier kannst du dir das Bild für Beruf und Studium in einer guten Qualität herunterladen.

Immer mehr Kolleginnen und Kollegen schlossen sich Eric Berne an und entwickelten eigene Modelle, die sich mit seinen Konzepten verbinden ließen. Zum Beispiel entwickelte Stephen Karpman das Drama Dreieck, welches sich hervorragend mit den Ich-Zuständen kombinieren lässt. Einen ersten Eindruck vom Drama-Dreieck bekommst du bei den Beispielen am Ende des Artikels. Hier ein Foto von Stephen Karpman mit  Steffen auf dem TA Weltkongress 2017 in Berlin.

Stephen-Karpman-Steffen-Raebricht TRANSAKTIONSANALYSE


Stephen Karpman und ich (Steffen) im Gespräch über das Drama-Dreieck

So entstand nach und nach eine umfassende Theorie und Praxis einer neuen psychologischen Richtung, die auf einem humanistischen Menschenbild ruht.

Hier ist eine von Bernes Definitionen der Transaktionsanalyse aus seinem Buch “Was sagen Sie, nachdem Sie «Guten Tag» gesagt haben?” - “What Do You Say After You Say Hello?” (1972):

 Eric Berne 

 Begründer der Transaktionsanalyse 

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“Bei der Transaktionsanalyse handelt es sich um eine Theorie der Persönlichkeit und der Sozialaktion und außerdem um eine klinische Methode der Psychotherapie, die auf der Analyse von allen nur denkbaren Transaktionen zwischen zwei oder mehr Menschen auf der Grundlage ganz spezifischer und genau definierter Ich-Zustände beruht.”

Steffens persönliche Definition der Transaktionsanalyse findest du hier.

Wenn du Transaktionsanalytiker werden willst, musst du dich dafür ausbilden lassen. Infos über deinen ersten Schritt mit TA kannst du hi​er erfahren. Jetzt erhältst du einen Überblick darüber, wie sich Transaktionsanalytiker organisieren.

TA Anwendungsfelder und ihre Organisationen

TA wird hauptsächlich in vier Anwendungsfeldern gelehrt:

  1. Psychotherapie
  2. Beratung
  3. Bildung
  4. Organisation

Die Abgrenzung ist jedoch nicht immer ganz eindeutig. So gibt es viele Transaktionsanalytikerinnen und Transaktionsanalytiker, die in verschiedenen Feldern tätig sind. Weiterhin gibt es Berufe, die nicht eindeutig einem dieser vier Feldern zugeordnet werden können.

Auf der ganzen Welt haben sich Menschen, die mit Transaktionsanalyse arbeiten oder daran interessiert sind in Verbänden, sogenannten TA-Gesellschaften, zusammengeschlossen. Ein Ziel dieser Gesellschaften ist die Förderung und Verbreitung der TA voranzutreiben:

Von den TA-Gesellschaften wurden Ausbildungsstandards festgelegt. Das hat den Vorteil, dass die TA-zertifizierten Ausbildungen weltweit anerkannt werden.

Du kannst sogar online an einer zertifizierten Ausbildung teilnehmen. Falls du daran interessiert bist, kannst du einmal hier schauen.

Beispiele zur Anwendung der Transaktionsanalyse

Jetzt geben wir dir ein paar Beispiele, wie die Transaktionsanalyse erfolgreich im Alltag angewandt werden kann:

1. Um Hilfe bitten mit Ich-Zustands-Wechseln

Mareike unternimmt mit ihrem Mann eine Dschungeltour. Dabei durchwateten sie mehrere Flüsse. Insgeheim wünscht sich Mareike gelegentlich, dass ihr Mann sie unterstützt, indem er ihr beispielsweise eine helfende Hand reicht.


  1. Sie befindet sich in einem kindlichen Zustand (Kind-Ich-Zustand), in dem sie sich hilflos vorkommt.
  2. Sie interpretiert zunächst sein Verhalten (er hilft nicht) als “rücksichtslos” und beginnt sich zu ärgern (Wechsel in den wertenden Eltern-Ich-Zustand).
  3. Dann wird ihr bewusst, dass sie die Möglichkeit hat, um Hilfe zu bitten - und tut dies. Ihr Mann unterstützt sie daraufhin, wie sie es sich gewünscht hatte. Sie hat durch das Bewusstwerden ihrer kindliche Gefühle und der erwachsenen Möglichkeit um Hilfe zu bitten, den Ich-Zustand erneut gewechselt und das Erwachsenen-Ich besetzt.
Beispiel Transaktionsanalyse Ich-Zustandswechsel

Wechsel vom Kind- in das Eltern- und schließlich in das Erwachsenen-Ich

Indem sie sich umentschied, war sie aus ihrem alten  nicht zielführenden Verhaltensmuster ausgestiegen und hatte es durch ein aktiv zielführendes ersetzt. Sie wartete nicht mehr stumm oder jammernd darauf, dass ihr vielleicht jemand hilft, sondern kümmerte sich aktiv darum, dass sie das bekam, was sie benötigte. Sie war stolz auf sich und klopfte sich mental auf die Schulter.

2. Nicht mehr ärgern durch Gefühlsbewussheit

Ich (Steffen) stand am Zug zu Beginn einer großen Reise. Zwei Freunde verabschiedeten mich. Auf einmal kam ein stark nach Alkohol riechender Mann zu unserer Runde dazu und fing an das Gespräch zu dominieren. Auf einmal sagte einer meiner Freunde zu ihm: "Du, wir würden uns gern verabschieden. Wäre es für dich okay, wenn wir noch kurz unter uns sein könnten?" Der Mann entschuldigte sich und ging. Mein Freund sagte zu uns: "Früher hätte ich nichts gesagt und mir eine Ärger-Rabattmarke geklebt. Heute nicht mehr." Wir lachten.

Das Konzept der Rabattmarken gehört zum Thema Gefühle. Rabattmarken sammeln bedeutet, dass man seine Ärger-Gefühle aufstaut und sie für eine spätere Auszahlung aufhebt. An irgendeinem Punkt bringt der Tropfen das Fass zum überlaufen und man entlädt geballt seinen gesammelten Ärger. Hätte mein Freund seinen Ärger zurückgehalten, hätte es sein sein können, dass er vielleicht später seine kleine Tochter unangemessen beschimpft hätte.

3. Paarstreitigkeiten verhindern mit dem Drama-Dreieck

Das Drama-Dreieck ist ein beliebtes Konzept in der Transaktionsanalyse. Es besteht aus:

  • Retter - Position
  • Verfolger - Position
  • Opfer - Position

Bei Paaren gibt es manchmal ein eingespieltes Ungleichgewicht zwischen scheinbar starken Positionen (oben im Drama-Dreieck) und einer scheinbar schwachen Position (unten im Drama-Dreieck). Es ist die Frage danach, wer die Hosen anhat. Die/Der Starke übernimmt dann häufig zu viel Verantwortung oder weiß es besser, während die/der Schwache seine Möglichkeiten und Verantwortung nicht wahrnimmt.

Eine solche Dynamik kann beispielsweise so enden:

  • Die Person in der Opfer-Position wechselt in den Verfolger und klagt an: “Immer geht es nach deiner Nase!”
Beispiele Transaktionsanalyse Drama-Dreieck

Die beiden Spieler tauschen die Rollen. Während sie aus der Opfer-Position in die Verfolger-Rolle wechselt, wird er in die Opfer-Rolle eingeladen.

  • Oder die Retter-Person ist genervt von der Unselbstständigkeit des Partners und wechselt in den Verfolger: “Siehst du das nicht? Mach doch auch mal was!”

Am Ende der Dynamik im Drama-Dreieck erleben die Beteiligten immer mindestens schlechte Gefühle. Wenn nicht sogar noch Schlimmeres.


Das waren ein paar Beispiele zur Anwendung der Transaktionsanalyse. Mit ihren klaren und einfach verständlichen Konzepten kannst du mit ihr sehr komplexe Situationen analysieren. Der Artikel wurde verfasst von Bernd Taglieber und Steffen Raebricht. Falls du Fragen oder Anmerkungen hast, nutze einfach die Kommentarfunktion. Wir antworten persönlich!

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Steffen Raebricht
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