"Was macht TA für dich attraktiv?" Interviews mit Transaktionsanalytikern

Erfahre, weswegen andere TA so interessant finden um deine eigenen Schlüsse zu ziehen: Die Transaktionsanalytikerin Christin Nierlich hat Transaktionsanalyse-Ausbilder darüber interviewt, was TA für sie attraktiv macht. Hier erfährst du Hintergründe und tiefe Einblicke, wie Profis die TA verwenden und was sie daran so fasziniert.

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Christin Nierlich ist leidenschaftliche Transaktionsanalytikerin. Sie hat erfahrene Transaktionsanalytiker interviewt um zu erfahren, wie sie TA nutzen und was sie daran fasziniert. Finde es heraus und lass dich auch anstecken. Hier erfährst du mehr über Christin.

"Ich finde TA deshalb so super klasse, weil ich damit sehr schnell in sehr kurzer Zeit ganz gut erfassen kann, was in Menschen abläuft" - Natalia Berrio Andrade

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Natalia Berrio Andrade (PTSTA-C) ist seit 2000 tätig im Bereich Personal- und Führungskräfteentwicklung, Consulting und Coaching sowie in der Beratung von Menschen in der Berufsfindung, Karriereentwicklung und in Veränderungsprozessen in Wirtschaftsunternehmen.
Sie ist außerdem Dozentin für internationales Führungsmanagement und Transaktionsanalyse (101 Einführung) an der Technischen Hochschule Deggendorf. Hier erfährst du mehr über sie.

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Christin​​​​: Was macht TA für dich attraktiv?

Natalia: Also ich finde TA deshalb so super klasse, weil ich damit sehr schnell in sehr kurzer Zeit ganz gut erfassen kann, sowohl was in Menschen abläuft, was miteinander abläuft, in der Kommunikation beispielsweise, mit zwei Menschen - Führungskräften und Mitarbeiter - aber auch in ganzen Teams ganz schnell gucken kann, und da Konzepte an der Hand habe, “was läuft da ab?”

Christin: Gibt es ein konkretes Beispiel, wie du damit arbeitest, mit der TA?

Natalia: Ja, also mit verschiedenen Konzepten, das eine ist in der Organisation, da verwende ich zum Beispiel die systemische Organisationsanalyse, wo man auf verschiedenen Ebenen gucken kann, “was läuft da ab?” Also wo geht die Aufmerksamkeit hin? Wie klar sind die in den Rollen? Welche Rollen gibt es? Was läuft auf der kommunikativen Ebene ab. Und so  gibt es verschiedene Ebenen, wo man ganz gut die Organisation analysieren kann und gucken kann, also das heißt sowohl im Beratungskontext, wende ich es an, aber auch im Einzelkontakt, im Coaching mit Führungskräften und hab da einen personalen Ansatz.

Christin: Ein Konzept, wo du sagst: “Das nutze ich gerne”?

Natalia: Eins habe ich schon genannt, die systemische Organisationsanalyse ist eher groß. Die TA hilft natürlich auch, wie ein Navigationssystem zu gucken, im personalen Ansatz, also zum Beispiel das Konzept der Ersatzgefühle finde ich sehr speziell in der TA. Verglichen mit anderen Ansätzen, das findet man ja so nicht.

Unsere Gefühle an sich helfen uns ja, Gefühle zu finden. Lösen auch gewisse Spannungen aus. Wenn wir uns die fühlen lassen, dann fließt die Spannung ab. Wenn wir aber ein Ersatzgefühl, was nicht passend zur Situation ist, fühlen, also zum Beispiel Wut anstelle von Trauer, dann lösen wir dadurch nichts und bleiben da stecken. Und das erleben Führungskräfte im Coaching oft als Aha-Erlebnis, das sie sagen: “oh wow, das versteh ich jetzt viel besser”.  Und deshalb ist es wichtig, mich führen zu lassen und emotionale Kompetenz zu entwickeln.

Christin: Und es ist ja ein wichtiger Punkt für Führungskräfte, auch für sich selbst, aber auch in Kontakt mit den Mitarbeiten, weil das ja häufig ein Thema ist.

Natalia: Unbedingt. Also das sie für sich die Konzepte nutzen können, um sich zu reflektieren, aber auch in ihrer professionellen Rolle als Führungskraft ganz anders mit den Mitarbeitern umgehen können.

www.ta-campus.de

"Wir stellen uns in den Dienst von Menschen, die in ihrem Leben in ihrem Alltag, besser zurecht kommen wollen" Günter Hallstein

Günter Hallstein ist Lehrender und Supervidierender Transaktionsanalytiker im Anwendungsfeld Beratung (TSTA-C), Theologe, Heilpraktiker für Psychotherapie

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Christin: Was macht die TA für dich aus und wie verstehst du die TA?

Günter: Das Wort Transaktion kennen wir ja aus der Wirtschaft. Das sind Finanz-Transaktionen und bedeuten Handel oder Vertrag. Das heißt, Menschen verhandeln irgendwie etwas.

Im ursprünglichen amerikanischen Englisch ist eine “transaction” etwas, was zwischen Leuten passiert - Was hin und her geht. Was hier gerade passiert ist schon eine Transaktion. Ich sage etwas zur Transaktionsanalyse und du reagierst darauf. Wenn man sich das genau anguckt und das soll dann auch noch schlau klingen, dann nennt man das Transaktionsanalyse - also: “transactional analysis”. Was ursprünglich im amerikanischen englisch eine Alltagssprache bedient hat und deshalb auch leicht verständlich war.

Christin: Das sind dann auch die Pfeile, die wir da malen, zwischen den 3 Ich-Zuständen!?

Günter: Das pfiffige daran ist, dass es nicht nur äußerlich die Transaktionen sind, auf die du dich gerade beziehst, sondern, dass es auch innere Prozesse abbilden kann, in den einzelnen Konzepten.

Christin: Da sind wir jetzt schon so dabei. Was hat es also mit Menschen zu tun?

Günter: Das pfiffige was ich an der TA so schätze ist, dass Eric Berne sich da ganz genau angeschaut hat, was passiert da eigentlich zwischen Menschen? Was geht da hin und her? Und er hat das jeweils auf der nicht einsehbaren Seite, also auf den inneren Prozess bezogen und aber auch auf die Kommunikation. Und er konnte dann, wenn man sich fragt: “Was hat das mit Menschen zu tun?”, vier Fragen einer großen Antwort näher bringen.

Dazu die Flipchart:     4 Fragen

1. Wie kann man den Menschen eigentlich verstehen? (Er malt 3 Kreise ans Flip Chart)
Und da entsteht ein Persönlichkeitsmodell mit verschiedenen Persönlichkeitsanteilen. Ganz grob gesagt mit dem Anteil, der uns mit den eigenen Erfahrungen ausmacht. Dann den Anteil, den uns wichtige Bezugspersonen mitgegeben haben und dem Anteil, der uns das hier und jetzt gestalten lässt. Das sind verschiedene Persönlichkeitsanteile, die ganzheitlich in uns integriert sind. Und das ist ein Persönlichkeitsmodell.

2. Wie kann man eigentlich hilfreich miteinander reden? (Er malt pfeile hin und her)
Was ist dabei eher geschickt, was ist ungeschickt? So entsteht ein Kommunikationsmodell und eine Kommunikationstheorie auf die sich viele gängige Theorien - Friedemann Schulz von Thun, mit  “Miteinander Reden” und diesem “Vier-Ohren-Modell” durchaus auch heute noch darauf beziehen.

Christin: Das heißt hier wird auch deutlich, was funktioniert nicht? Beziehungsweise was führt dazu, dass es nicht funktioniert?

Günter: Das war eine große Entdeckung bei Berne. Er hatte einen großen Schwerpunkt zu sagen, “Wir helfen den Menschen”, wir analysieren nicht nur, sondern wir haben den Auftrag, wir stellen uns in den Dienst von Menschen, die in ihrem Leben, im Every-day-life, in ihrem Alltag, besser zurecht kommen wollen.

3. Dazu ist noch eine dritte Frage ganz wichtig: Wie kommt es zu unserer ganz persönlichen psychologischen Biografie? Was hat uns eigentlich geprägt? (Er malt ein Buch ans FlipChart)

Berne, der wohnte übrigens in der Nähe von Hollywood, schielte mit einem Auge immer dahin. Dadurch kannte er Drehbücher. Und ich hatte schon erwähnt, er benutzt eine alltägliche Sprache. Also sagt er: “Wir folgen einem Drehbuch unseres Lebens.” Wir wissen das nicht bewusst, wir sind dem aber eigentlich immer auf der Spur. Und das nannte er Skript-Theorie. In Anlehnung an das Rollenskript der Hollywoodschauspieler.

Christin: Das heißt, das ist das Drehbuch, das wir täglich mit dabei haben, was sich schon früh definiert, was wir schon früh schreiben, was unser leben begleitet.

Günter: Was auch wichtig ist. Von daher wissen wir: Wie gehe ich in eine Beziehung hinein? Wie gestalte ich ein Gespräch? Wie gehe ich in eine neue Situation? Wie gehe ich in meinen ersten Schultag? All das hat mit diesem Lebensdrehbuch zu tun, das ist so ein Teil dessen, was uns beeinflusst hat. Vieles kam von unseren wichtigen Bezugspersonen; und aber auch einiges, was wir selbst sozusagen ‚erfunden‘ haben.

4. Wie kommen wir eigentlich in der Gemeinschaft zurecht? Wie kommen wir mit anderen zurecht? Wie können wir Beziehungen gestalten so dass sie fruchtbar sind? Was ist denen eher hinderlich? (Er malt 2 Männchen in einem Kreis, also innerhalb einer ‚Beziehung‘)

Das ist eine sogenannte Spieltheorie. Weil Berne herausgefunden hat, Menschen scheinen, in Anführungsstrichen: „zu spielen“. Zu einem Spiel gehören Regeln an die man sich hält und eine Portion Zufall. Aber man weiß irgendwie, wenn man ein Spiel spielt, „Mensch ärgere dich nicht“ oder so, wann man verloren oder gewonnen hat. Und er findet heraus, dass Menschen so miteinander agieren, dass es schon nach einem Bestimmten ende riecht.

Paare kennen das öfter, wenn sie miteinander verklüngelt sind - Berne würde sagen “Transaktionen” - ahnen sie schon, was dabei rauskommen wird. Das heißt, es ist ein destruktives Beziehungsmuster. Aber das gibt‘s natürlich auch positiv. Berne war immer an der Frage interessiert: „Wie können wir fruchtbar und gut miteinander umgehen?“

Und damit haben wir die 4 großen Theoriemodelle:

  1. Ein Persönlichkeitsmodell,
  2. eine Kommunikationstheorie,
  3. eine biographische Theorie und
  4. eine Gruppen-/Beziehungsanalyse

Christin: Wie arbeitest du mit TA? Woran würde ich das merken, wenn ich zu dir käme? Was machst du mit TA?

Günter: Also ich glaube du würdest es zuerst an der Atmosphäre merken. Was ich bei Berne sehr schätze ist: Was außen sichtbar ist, zum Beispiel in der Kommunikation, immer auch zurück spiegelt will auf die Innenseite – Was passiert da eigentlich innerlich? Und er sagt zum Beispiel dass es wichtig ist, auf Augenhöhe und sehr respektvoll miteinander umzugehen. Er nennt das, weil er umgangssprachlich redet, weil er verstanden werden will, eine Ok-Position. Das heißt wir gehen miteinander um, im Sinne von: Ich bin Ok - Du bist Ok. Ich habe das für mich mit 3 Adjektiven übersetzt: Ich bin wertvoll, begabt und geliebt – und du bist es auch. Und wenn man dem mal nachspürt, dann merkt man schnell, was das bedeuten könnte, wenn Menschen einander so begegnen. Nicht die Ellbogen ausfahren. Sondern sich so in die Augen schauen. Und das wäre das Erste, was Menschen wahrnehmen, die zu mir in die Beratung kommen. Ich mache psychologische Beratung, Psychotherapie, auch Seelsorge und Coaching. Ich glaube, das Erste, was sie spüren, ist, dass ich versuche, sie mit einer Ok-Haltung willkommen zu heißen. Also anzuschauen, dass sie wertvoll, begabt und geliebt sind. Ein Mensch mit Ressourcen, Begabungen und Fähigkeiten. Typischerweise würde ich dann zweitens eine Bestandsaufnahme machen mit demjenigen: Was er eigentlich für Fragen hat, was ihn gerade rumtreibt, was ihn bewegt. Und das mit dem Hintergrund: Wie kann ich mich in den Dienst seiner Fragestellung stellen?

So nennen wir das transaktionsanalytisch - Vertragsarbeit. Die Einzelbegleitung. Dann bilde ich aus: psychologische Berater, Coaches, angehende Transaktionsanalytiker, lehrende Transaktionsanalytiker. Also auf verschiedenen Ebenen.

www.ghallstein.de

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"Was macht TA für dich attraktiv?" Interviews mit Transaktionsanalytikern
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