• 23. Oktober 2019

Sei mutig wie Kant 

Immanuel Kants Ideen haben im 18. Jahrhundert wichtige Grundlagen für unser heutiges Menschenbild gelegt. Er sagte:

“Habe den Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!”

Was er damit meinte und wie du damit mutiger werden kannst erfährst du in diesem Artikel.

Sei mutig wie Kant

Wir verzeihen ihm, dass der Mut mit th geschrieben hat. Das war damals cool. Die meisten Menschen glauben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Doch was passiert da oben tatsächlich? Das, von dem viele Menschen glauben, es sei der eigene Verstand, sind meistens nur Aneinanderreihungen von unhinterfragten übernommen Gedanken. Sie stammen von den Eltern, aus der Schule und aus der Zeitung. Das jedoch meinte Kant nicht mit dem eigenen Verstand.

  • Wenn Robin erkennt, welchen Beitrag sie zu ihrer schlechten Bezahlung leistet und etwas dagegen tut, dann nutzt sie ihren Verstand. Wenn Daniele zunächst selbst herausfindet, was er am Freitagabend unternehmen möchte, bevor er seine Freundin fragt. Dann hat er selbst nachgedacht.

Es ist mitunter schwierig darzustellen, wann jemand seinen Verstand gebraucht. Man kann das an kreativen und maßgeschneiderten Lösungen erkennen. Wenn Robin von sich selbst sagt: “Ich bin nicht kreativ!” nutzt sie ihren Verstand wahrscheinlich eher nicht. Wir alle haben das Potential zur Kreativität. Robin zapft sie nur nicht an. Sie ist manchmal einfach nur denkfaul oder denkfeige. Es braucht auch Muth, neue Gedanken zu denken und zu äußern.

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Wir wissen bereits, welche Grundbedürfnisse wir haben. Es ist an der Zeit für diese zu sorgen. Erfüllen wir sie uns, steigt unser Level an Zufriedenheit. Unzufriedenheit deutet auch auf einen Mangel an eigenem Verstandesgebrauch hin. Daniele hat studiert und tolle Ergebnisse in der Uni erbracht. In diesem Lebensbereich hat er bereits seinen Verstand eingesetzt. Auf sein eigenes Leben hat er diese Fähigkeit noch nicht übertragen. Hätte er das bereits getan, hätte er schon die ein oder andere kreative Lösung für verschiedene Lebensbereiche ersonnen und wäre nicht mehr unzufrieden. Das gleiche gilt für Robin. Sie hat sich bisher von ihrer Angst leiten lassen, statt ihren Verstand einzuschalten.

Robin und Daniele müssen anfangen selbst für die Erfüllung ihrer Bedürfnisse zu sorgen. Das bedeutet erwachsen werden. Es bedeutet kein Verlust an Spaß und Freude. Im Gegenteil. Wenn Robin in der Vergangenheit ins Kino wollte, hat sie ein paar Freunde angerufen. Wenn niemand Zeit hatte, ist sie selbst auch nicht gegangen. Wenn Robin einen Unterhaltungsfilm schauen möchte, kann sie ihren Verstand aktivieren und zu der Lösung kommen, dass sie auch allein ins Kino gehen kann. Sie kann sich selbst eine tolle Freundin werden. Umsichtig, achtsam, mutig, kreativ, treu und verlässlich.

Gebraucht Robin ihren erwachsenen Verstand, sucht sie aktiv nach Erfüllung. Sie könnte nach ihrem Hantelkurs im Fitness-Studio laut in die Runde fragen, ob jemand Lust hätte mit ihr noch auf’s Fahrrad zu gehen. Klar, das fühlt sich erstmal peinlich an. Robin wird noch lernen, wie sie damit umgeht. Das wäre aktiver Verstandesgebrauch. Nicht darüber zu grübeln, was die anderen wohl denken (übernommenes Denken), sondern die eigenen echten Bedürfnisse verfolgen, unabhängig von anderen (erwachsenes Denken).

Damit Daniele und Robin ihre Grundbedürfnisse auf gute Weise erfüllen können, fehlt ihnen etwas, was auch vielen anderen Leuten fehlt. Sie haben nicht gelernt wie sie es tun können. Robin hat Angst, dass andere sie für egoistisch halten könnten. Daniele ist einfach noch nicht auf die Idee gekommen, sich selbst damit zu versorgen.

Mut zur Selbstführsorge

Die Rede ist von Selbstfürsorge.

Für sich selbst zu sorgen bedeutet, dass Robin und Daniele auf sich Acht geben, sich Gutes tun und sinnvolle Grenzen setzen.

  • Robin hat Angst, dass andere sie egoistisch finden. Das kann durchaus auch passieren. Doch wo befindet sich die Grenze zum Egoismus? Sie ist für uns dort, wo Robin nur noch sich und ihren Vorteil sieht. Wenn sie andere komplett außer Acht lässt. Leider ist es schon mal passiert, dass Robin von einer Freundin als egoistisch bezeichnet wurde. Das hat sie ganz schön aus der Bahn geworfen. Schließlich will sie nicht als Egoist gelten.

    Robin überprüft den Vorwurf: Ist sie tatsächlich egoistisch gewesen? Oder hat die Freundin mit dem Vorwurf versucht, sich einen Vorteil zu verschaffen? Häufig sind diejenigen, die anderen Egoismus vorwerfen, selbst egoistisch.

Wie kann Robin entscheiden, was selbstfürsorglich ist und was nicht?

  • Sie kann schauen, welches Interesse sie verfolgt und welches ihr Gegenüber.
  • Robin kann schauen, wie ihr energetisches Level ist? Fühlt sie sich erschöpft, gilt es selbstfürsorglicher zu sein.
  • Robin kann schauen, dass Balance zwischen Geben und Empfangen bei ihr und ihrer Freundin vorhanden ist.

Kant sagte noch etwas Schlaues. Er stellte den sog. kategorischen Imperativ auf.

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Vereinfacht ausgedrückt meinte Kant: Jeder Mensch soll so handeln, dass es zu einer allgemeinen Gesetzgebung werden könnte. Nochmal anders ausgedrückt: “Leben und leben lassen.” oder “Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg’ auch keinem anderen zu.”

  • Für Robin und Daniele bedeutet es, dass sie sich um sich selbst kümmern und ihre Grundbedürfnisse ernst nehmen. Die Grenze ist dort erreicht, wo sie sich auf Kosten anderer bereichern. Einen Sonderfall gibt es in dieser Formel. Wenn Robin nämlich bereits über ihre Grenzen gegangen ist sich ständig die Beschwerden der Freundin angehört hat, obwohl es ihr bereits zu viel war. An dieser Stelle ist es angemessen, wenn Robin ihrer Freundin mutig sagt, dass sie gern über etwas anderes sprechen möchte. Das könnte die Freundin durchaus als egoistisch betrachten und Verlust. Allerdings stand es ihr nie zu. Sie muss den Wegfall von Robins Aufmerksamkeit hinnehmen. Robin wiederum kann dennoch zugewandt bleiben und auch ein Verständnis dafür entwickeln, dass die Freundin zunächst enttäuscht sein wird. Schließlich hat nicht Gabi die Grenze überschritten, sondern Robin hat es zugelassen.

    Anders ausgedrückt: Robin hatte bis zu diesem Zeitpunkt nicht ihren Verstand verwendet. Um ihrer Freundin zugewandt zu bleiben, kann Robin sagen: “Ich kann verstehen, dass es für dich egoistisch wirkt. Doch ich habe da nicht auf meine Grenzen geachtet und gemerkt, dass ich bereits genervt bin. Das war mein Fehler. Mir ist es wichtig, dass wir langfristig gesehen befreundet bleiben. Ich will nicht meine Genervtheit anstauen, die sich dann irgendwann in einem großen Krach entladen könnte. In diesem Sinne bin ich nicht egoistisch, sondern denke für uns beide.”

Grundsätzlich empfehlen wir: Sei lieber zunächst einmal mehr selbstfürsorglich als einmal zu wenig. Selbst wenn du mal über die Stränge schlägst und an einer unpassenden Stelle zu viel auf dich achtest. Dein Gespür für das richtige Maß pendelt sich nach und nach ein. Du hast dann Erfahrung.

  • Robin will nun mehr auf sich achten und ist wachsam im Alltag. Als sie am Fahrradständer das Schloss öffnet, um loszufahren, fällt das Nachbar-Fahrrad um. Sie entscheidet für sich zu sorgen und lässt das Fahrrad liegen. Ein Fußgänger sieht das und hebt das Fahrrad auf.

    Als Robin später ihre Mutprobe auswertet, fragt ihr Freund sie, warum sie das umgefallene Fahrrad nicht wieder aufgehoben hat. Sie antwortet: “Ich hatte High Heels an und der Untergrund bestand aus Pflastersteinen. Deswegen konnte ich schlecht laufen. Es war mir einfach zu anstrengend mein Fahrrad wieder abzustellen, zum umgefallenen Fahrrad zu laufen und es mit meinen Absatzschuhen wieder hinzustellen. Ich entschied mich für mich. Das hatte ich vorher noch nie gemacht.”

Wir finden es mutig von Robin, dass sie es gewagt hat, das umgefallene Fahrrad liegen zu lassen. Es war in unseren Augen nicht ganz angemessen, einfach loszufahren. Robin hätte beispielsweise jemanden darum bitten können, das Fahrrad für sie wieder aufzurichten. Jedoch hat sie etwas gewagt und stand für sich ein. In zukünftigen Situationen wird sie sich angemessener Verhalten können bei gleichzeitiger Selbstfürsorge. Ganz nach dem kategorischen Imperativ. Durch ihr mutiges Handeln, gekoppelt mit einem nützlichen Feedback, kann sie beim nächsten mal wesentlich angemessener reagieren.

Selbstfürsorge mit den Anforderungen des Umfeldes zu vereinen, haben viele Menschen noch nicht gelernt. Wir Autoren sind auch noch dabei es zu lernen. Selbstfürsorge ist eine Fähigkeit, die Übung benötigt. Wenn du diese Fähigkeit nicht von deinen Eltern mitbekommen hast, so wie Robin, Daniele und wir, dann ist es jetzt an dir, sie zu lernen. Die Mut-Techniken werden dir dabei helfen.

Säulen der Selbstführsorge

Ein Mensch, der gut auf sich achtet, gibt anderen Mehrwert ohne sich auszubeuten. Falls du das noch tust, gilt es zunächst vermehrt auf dich zu achten. So wie es Robin tut. Das sind Zeichen guter Selbstfürsorge:

  1. Dass du freundlich mit dir in Gedanken sprichst
  2. Dass du dir ausreichend Zeit für dich gönnst
  3. Dass du nur Dinge tust, die du auch wirklich tun willst
  4. Dass du nach Dingen fragst, die du  haben willst
  5. Dass du deine Gefühle ernst nimmst

Als Robin und Daniele diese Stichpunkte lesen, reagieren sie sehr unterschiedlich darauf.

  • Daniele findet, dass du sie normal und einfach sind. Es scheint ihm schon fast so, als bedürfen sie keiner Erwähnung. Falls Daniele diese Punkte tatsächlich erfolgreich umsetzt, herzlichen Glückwunsch! Wir brauchen immer wieder Mut, diese Dinge bei uns einzuhalten. Nimmt sich Steffen genügend Zeit für’s Essen oder schlingt er? Sagt Martin zu sich selbst: “Stell dich nicht so an” oder nimmt er innere Einwände ernst? Er beobachtet sich mitunter dabei, wie er nach einem Fehler auch schon mal sagt: “Ich bin doch blöd!” Daniele kann sich selbst überprüfen, wie sehr er diese Grundsätze in seinem Alltag anwendet: Wie freundlich spricht er mit sich? Wie häufig ist er gestresst? Hat er wirklich auf die meisten Dinge Lust, die er tut? Oder wie oft quält er sich bei Tätigkeiten?
  • Robin erscheinen die 5 Stichpunkte fast unerreichbar. Sie kann sich beispielsweise nicht vorstellen, wie das gehen soll, nur noch Dinge zu tun, auf die sie Lust hat. Manche Sachen, wie der Einkauf, müssen einfach erledigt werden. Menschen, die tun, worauf sie Lust haben, kaufen auch ein. Denn sie haben für sich eine Notwendigkeit erkannt, Lebensmittel zu besorgen. Im Unterschied zu Robin, machen sie aus dem Einkauf ein freudiges Event statt ein Mittel zum Zweck. Bisher ist Robin nur aus dem Grund einkaufen gegangen, um sich ein zukünftiges Bedürfnis zu erfüllen. Etwas im Kühlschrank zu haben. Den Einkauf selbst, wertete sie bisher ab. Wer tut, worauf er Lust hat, gestaltet sich ein Einkaufserlebnis. Er plant die entsprechende Zeit, ohne zu hasten. Er schiebt den, Wagen, so dass es Spaß macht. Selbst an der Kasse bezahlen kann zum Erlebnis werden. Martin macht ein Rechenspiel aus dem Einkauf und sagt der Kassiererin bevor sie alle Waren über das Band gezogen hat, was er bezahlen wird. Steffen packt sich einen neuen Joghurt als kleine Freude ein und hört dabei seine Lieblingsmusik.

    Das leuchtet Robin ein. Sie braucht nur eine Tätigkeit nach der anderen in freudvolle Aktivitäten zu transformieren und schon macht sie den ganzen Tag, worauf sie Lust hat. Robin wird bald merken, dass die Sache nicht ganz so einfach ist, aber es ist ein toller Anfang, den Robin da für sich erarbeitet hat.

Diese 5 Punkte stellen für uns Säulen der Selbstfürsorge dar. Ein Mensch, der auf diese Weise selbstfürsorglich ist, mag sich selbst, bleibt energiegeladen und robust, respektiert sich und andere, ist hilfsbereit und setzt seine Gefühle gewinnbringend ein. Er erlebt sich als wertvolles Mitglied der Gesellschaft und wird auch von anderen als ein solches wahrgenommen. Als nächstes geben wir dir einen roten Faden dafür, wann dein Mut gefordert ist und wann du ihn besser nicht einsetzt.

Zusammenfassung

  • “Habe den Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!”
  • Unzufriedenheit deutet auch auf einen Mangel an eigenem Verstandesgebrauch hin
  • Für sich selbst zu sorgen bedeutet, auf sich Acht geben, sich Gutes tun und sinnvolle Grenzen setzen
  • Die Grenze ist dort erreicht, wo man sich auf Kosten anderer bereichert
  • Sei zunächst lieber einmal mehr selbstfürsorglich als einmal zu wenig
  • Selbstfürsorge ist eine Fähigkeit, die Übung benötigt
  • Das sind Zeichen guter Selbstfürsorge:
  1. Dass du freundlich mit dir in Gedanken sprichst
  2. Dass du dir ausreichend Zeit für dich gönnst
  3. Dass du nur Dinge tust, die du auch wirklich tun willst
  4. Dass du nach Dingen fragst, die du  haben willst
  5. Dass du deine Gefühle ernst nimmst




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Sei mutig wie Kant
Kurzbeschreibung:
Habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Erfahre was das bedeutet und wie du das umsetzten kannst. Lerne mutig eigene Entscheidungen zu treffen.
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