Psychologische Spiele - Wie Du sie mit Hilfe der Transaktionsanalyse erkennst

Drama-Dreieck Transaktionsanalyse Feuer

Wenn Du häufiger mit jemandem in Konflikt gerätst kannst Du Dir sicher sein, dass Du in etwas verwickelt bist, was die Transaktionsanalyse ein „Spiel“ nennt. Psychologische Spiele haben nichts mit kindlichem Spiel zu tun, sie sind auch nicht zum Lachen. Im Gegenteil. Heute erkläre ich Dir: 

Doch zunächst gebe ich dir ein Beispiel:

Neulich gab ich einem Freund einen von mir verfassten Text zum Lesen. Ich wollte sein Feedback haben. Ich sagte zu ihm, dass der Text noch unfertig und schlecht sei. Er fing an zu lesen und kritisierte allerhand. Ich merkte, wie ich mich darüber zu ärgern begann. Schließlich reichte es mir und ich fing an mich über die viele Kritik meines Freundes zu beschweren. Er schaute mich ganz verdutzt an und verstand die Welt nicht mehr. Er sollte doch genau das tun - meinen Text kritisieren. Am Ende ärgerten wir uns Beide – ich mich über seine Kritik und er sich darüber, dass er eingewilligt hatte den Text überhaupt zu lesen.

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1. So sind psychologische Spiele aufgebaut

Unter einem psychologischen Spiel werden Abfolgen "verdeckter Transaktionen" verstanden, die ein vorhersagbares Ende haben. Eine verdeckte Transaktion ist eine Aussage mit einer Doppeldeutigkeit. Im Stimmton steckt eine andere Botschaft als in den Worten. Hier ein Video zu verdeckten Transaktionen:


2. Die Spieleformel


  1. Attraktives Angebot, dass als Falle dient (Spieleinladung oder Köder auslegen)
  2. Spielinteresse des Anderen (Schlucken des Köders)
  3. Harmlose Reaktion und Austausch von Aufmerksamkeiten
  4. Rollenwechsel des Einladenden
  5. Überraschung des Eingeladenen
  6. Auszahlung für Beide (negativer Art)

Beziehen wir dieses Muster auf das Beispiel:

  1. Ich komme als eine Art Opfer zu meinem Freund und frage ihn in etwas kindlicher Art, ob er meinen Text lesen würde. Mein Freund bekommt von mir Aufmerksamkeit und fühlt sich vielleicht sogar geschmeichelt. Das könnte man als attraktives Angebot verstehen. Dabei gebe ich zu verstehen, dass der Text noch schlecht ist. Hier habe ich unbewusst die Falle eingebaut. Ich bewerte den Text von vornherein negativ und lade meinen Freund ein ebenfalls Fehler zu finden. Ich verschweige ihm, dass ich gern auch positives Feedback hätte.
  2. Mein Freund ging in eine Position des Rettens, indem er meine Vorwegbewertung des Artikels unkommentiert stehen ließ. Das Spiel begann.
  3. Er las den Text und kritisierte eine Menge. Dabei kam er sich gut vor und ich bekam das entsprechende Feedback. Wir haben einen intensiven Austausch von Aufmerksamkeit - was ein psychologisches Grundbedürfnis von Menschen darstellt.
  4. Nach einiger Zeit wurde es mir zu viel Kritik. Ich wurde immer ärgerlicher. Bis es mir reichte. Ich wechselte von der Rolle des dankbaren Opfers in die Rolle des Verfolgers und fing an mich über meinen Freund zu ärgern.
  5. Dieser war sichtlich überrascht von meiner umgeschlagenen Stimmung.
  6. Die Auszahlung bestand darin, dass sich beide Parteien schlecht fühlten. Die Beziehung hatte einen Schaden genommen.
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Typischer Rollenwechsel, am Ende eines Spiels. Ich ging von der Opfer- in die Verfolger-Position, mein Freund von der Retter- in die Opfer-Position.

Wenn du mehr über Rollenwechsel erfahren willst, schau dir meinen Artikel über das Drama-Dreieck an.

Häufig ist es gar nicht so einfach zu erkennen, dass man ein Spiel spielt. Mit dieser Art von Spielen bringt man unter Umständen auch sein Lebensskript Transaktionsanalyse weiter voran. Um den Ausstieg zu schaffen oder erst gar kein Spiel zuzulassen bedarf es zunächst der Kenntnis von Spielen. Außerdem hilft es das eigene Verhalten zu reflektieren. Als ich anfing mich mit Spielen zu befassen konnte ich zunächst nur erkennen, dass ich bereits ein Spiel gespielt hatte. Ich hatte also häufig schon meine negative Auszahlung erhalten. Mit der Zeit erkannte ich das Spielmuster früher und konnte sie dann unterbrechen. Du kannst nämlich an jedem Punkt des Spielverlaufs aussteigen.


3. So kannst du psychologische Spiele vermeiden

Die Transaktionsanalyse hat bereits sehr viele Spiele beschrieben. Einen guten Überblick liefert Eric Berne in seinem Buch: „Spiele der Erwachsenen“. Eric Berne ist übrigens der Begründer der Transaktionsanalyse.

Ein im Buch enthaltener Klassiker ist das „Ja, aber" –Spiel: Ein Hilfesuchender sucht Rat für ein Problem bei einer anderen Person. Die weiß die Aufmerksamkeit zu schätzen und gibt einen gut gemeinten Ratschlag nach dem anderen. Doch auf jeden Rat folgt ein „Ja, aber...“ mit einem scheinbar passenden Gegenargument. Der Austausch geht so lange gut, bis der Ratgebende keine Ideen mehr hat. Nun fühlen sich beide schlecht. Der Hilfesuchende, weil er keine Hilfe bekommen hat und der Ratgebende, weil er nicht helfen konnte.

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Doch die Transaktionsanalyse hält auch Auswege aus Spielen parat. Hier ein paar Möglichkeiten:

  • Spieleinladung ignorieren
  • Nach dem echten Bedürfnis fragen - "Was möchtest du jetzt von mir?"
  • Die eigene Spielanfälligkeit kennen (bist Du vielleicht anfällig dafür ein Retter zu sein oder gibst Du Dich lieber als Opfer oder Verfolger?) Bist du oft der Retter, dann kannst du nach Einladungen nach Hilfestellungen bewusster begegnen und dich selbst zurücknehmen.
  • Das tun, was Du selbst tun willst. Du könntest Dir die Frage stellen: „Was will ICH jetzt in diesem Augenblick?“
  • Ein Transaktionsanalytiker sagte einmal zu mir: „Die beste Art Spiele zu unterbrechen ist seine eigenen Ziele zu verfolgen.“

Das Beispiel von meinem Freund und mir verlief in Wahrheit anders. Ich merkte, wie ich ärgerlich wurde, unterbrach die Kommunikation und analysierte die Situation. Ich stellte mir selbst die Frage, was genau ich von meinem Freund wollte. Mir fiel auf, dass ich neben der Kritik auch auf Lob für meine guten Einfälle hoffte. Das teilte ich meinem Freund mit und prompt hatte er auch dieses für mich. Ich konnte nun seine Kritik viel besser einordnen, weil er mir mitgeteilt hatte, was ihm alles gefiel. Mein Ärger verflog und wir hatten eine Spielauszahlung in Form von negativen Gefühlen vermieden. Danke Transaktionsanalyse!

Die Transaktionsanalyse kennt noch weitere Spielausstiege. Im Grundkurs Transaktionsanalyse gehen wir noch viel genauer auf psychologische Spiele ein.

Artikeldaten:
Psychologische Spiele - Wie Du Verstrickungen mit Hilfe der Transaktionsanalyse erkennst
Name des Artikels:
Psychologische Spiele - Wie Du Verstrickungen mit Hilfe der Transaktionsanalyse erkennst
Kurzbeschreibung:
Wenn Du häufiger mit jemandem in Konflikt gerätst kannst Du Dir sicher sein, dass Du in etwas verwickelt bist, was die Transaktionsanalyse ein „Spiel“ nennt.
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  • Shadowrose sagt:

    Klassische Retter sind wahrscheinlich Menschen, die fest daran glauben, daß es immer eine Lösung gibt (Verfolger sind hingegen diejenigen, die überzeugt davon sind, die einzig richtige Lösung zu kennen.). Und klassische Opfer sind wohl eher Menschen (wie ich), die eben nicht davon überzeugt sind, daß es immer eine Lösung gibt. (-> Hey, nicht mal die Mathematik kennt für jedes Problem eine Lösung! ;-)
    Das Beispiel von dem “Ja, aber”-Spiel kommt mir sehr bekannt vor. Ich kann es selber nur zu gut, immer einen Haken an der Sache zu finden. Schuldig im Sinne der Anklage.
    Allerdings ist mir aufgefallen, daß der Einstieg in das Spiel oftmals anders verlief: Mir ist meine Selbstbestimmung ungemein wichtig und darum frage ich eigentlich nie nach Rat im Sinne von verbindlichen Lösungswegen, die mir ein anderer vordiktiert, sondern – wenn überhaupt – im Sinne von Ideensammlung/Vorschlägen, bei denen ich selber entscheiden kann, ob das mein Weg ist oder nicht. Und das kommuniziere ich auch so.
    Trotzdem befinde ich mich damit in der Minderheit (die meisten wollen einfach geführt werden – siehe Restaurant: “Was können Sie denn empfehlen?”, als ob der Kellner wüßte, was mir schmeckt…) und deswegen geht im Grunde jeder vom Normalfall aus, daß man eben eine vorgefertigte Lösung haben wolle. Aus diesem Mißverständnis heraus ist leider schon oft ein solches Spiel, bei dem sich beide hinterher mies gefühlt haben, entstanden. Von solchen Leuten, die einem ihre Ratschläge aufdrängen, weil sie unbedingt als Retter glänzen wollen, ganz zu schweigen.
    Ein anderes Mißverständnis entsteht auch oft, wenn ich von meinen Problemen erzähle (entweder weil der andere gefragt hat oder weil ich Dampf ablassen wollte oder Verständnis gesucht habe). Das wird dann auch leider gerne als Suche nach Rat gedeutet und endet in eben diesem leidigen Spiel, das eigentlich keiner wollte.
    Es ist dann eher so, daß ich von Anfang an gar keine Lösung wollte, aber das Gegenüber genau das angenommen hat.

    Kennst Du diese Situation auch? Falls ja, was hat da für Dich als Lösungsweg funktioniert? (<- Die Frage ist bewußt so formuliert, um eben nur eine Idee zu erhalten. Ob das auch für mich anwendbar ist, wird sich zeigen.)

    Übrigens: Wie ignoriert man Spieleinladungen, ohne die Beziehung zu schädigen? Wenn jetzt jemand wie in dem Beispiel auf mich zukommen würde, um Kritik zu erhalten, aber ich (mit dem Gedanken im Hintergrund, daß das wieder nur ein Spiel ist) sage "Will ich nicht." oder "Habe gerade keine Zeit.", dann fühlt sich der Freund doch auch irgendwie abgelehnt, nicht wichtig genommen oder im Stich gelassen. Und das liefe doch irgendwann auch auf ein Spiel hinaus. Oder?

    • Steffen sagt:

      Hallo Shadowrose, danke für deinen Kommentar und deine Ehrlichkeit. Wenn jemand anfängt mir Ratschläge zu geben, dann richte ich mich nach einem Grundsatz der Transaktionsanalyse: “Die Kommunikation ist frei und offen.” Ich sage dann frei heraus, was meine Intention war: “Ich wollte keinen direkten Ratschlag, sondern Ideen sammeln, wie andere in meiner Situation entscheiden würden.” oder “Ich wollte von meinem Thema erzählen, weil ich es teilen wollte – im Sinne von – was mir passiert ist.” Es gehört für mich zu den elementaren Fähigkeiten von Beziehungsgestaltung auch Grenzen zu setzen. Und nur weil ich eine Grenze setze und etwas nicht will, heißt das nicht, dass ich meinen Freund ablehne. Wenn du das glaubst, dann übernimmst du vielleicht zu viel Verantwortung für andere und traust ihnen vielleicht auch nicht zu, mit deinem Nein umgehen zu können. Viele Grüße
      Steffen

      • shadowrose sagt:

        Hallo Steffen,

        vielen Dank für Deine Antwort!

        Zu Teil 1: Das habe ich bislang auch immer so gehalten (s.o. “Und das kommuniziere ich auch so.”) – nur habe ich dabei leider die Erfahrung gemacht, daß meine Gegenüber so sehr in ihren Standardannahmen fixiert waren, daß sie mir trotzdem immer zum Vorwurf gemacht haben, ich hätte von Ihnen Rat gewollt und würde den dann nicht annehmen. Naja, war wohl einfach das falsche Umfeld.

        Zu Teil 2: Ja, es ist gut möglich, daß ich da einfach vom schlechten ausgehe. Die Schwierigkeit Grenzen zu setzen, weil diese trotzdem immer wieder massiv überschritten wurden, ist ein großes Thema für mich.

        • Steffen sagt:

          Hallo Shadowrose, ja – sowas kann schonmal passieren. Wenn ich Menschen vor mir habe, bei denen ich annehme, dass sie so sind, wie du es für Teil 1 beschrieben habe, dann setze ich den Rahmen, bevor ich etwas erzähle: “Ich will nur mal erzählen, ohne Diskussion oder Lösungen. Also…”

          Zu Teil 2: Klar – Grenzen setzen ist ja auch ein sehr wichtiges Thema für viele. Du bist da in reichlicher Gesellschaft und auch ich kenne das Problem gut. Mir hilft in solchen Fällen Coaching ganz gut.

          Viele Grüße, Steffen

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