• 23. Oktober 2019

Mutig Tatkraft entwickeln 

Wenn du auch manchmal den Hintern nicht hoch bekommst, dann fehl dir Tatkraft. In diesem Artikel erfährst du, warum dir Tatkraft fehlt und wie du sie entwickeln kannst. 

Warum du deinen Hintern nicht hochbekommst: Fehlende Tatkraft

  • Manchmal ist Robin innerlich unzufrieden. Sie weiß auch wo das herkommt. Sie weiß eigentlich gar nicht so recht, was sie vom Leben will.

    Als sie mit einer erfahrenen Freundin darüber spricht, sagt diese: “Du musst einfach mal anfangen, es herauszufinden.”

    Mit gequälter Stimme entgegnet Robin: “Ja, aber ich weiß nicht wie...”

    Ulrike, die nächste Woche ein Selbsterkenntnis-Seminar besucht und Robin bereits davon erzählt hat, schaut sie mit durchdringendem Blick an: “Dein Problem ist nicht das wie. Dein Problem ist, dass du dich bisher nicht entschieden hast, tatsächlich loszugehen. Das wie ergibt sich dann schon. Wenn du bereits entschieden wärest, könntest du ja nächste Woche zum Seminar mitkommen. Aber das machst du nicht, weil du nicht entschieden bist.”

    Robin spürt nach innen: “Ja, du hast wahrscheinlich Recht.”

Was Robin fehlt, ist Tatkraft. Tatkraft ist, wie der Name schon sagt, die Kraft zur Tat. Es reicht jedoch nicht aus, einen Wunsch zu haben. Bei vielen macht sich ein unangenehmes Pflichtgefühl breit von “Ich müsste mal…” Doch das ist ein schlechter Antrieb. Auf diese Weise wird es bei Wünschen bleiben. Tatkraft kommt, indem wir die Freude am Streben wiederentdecken. Diese ist natürlich in uns vorhanden durch das psychologische Grundbedürfnis nach Stimulation.

Wenn wir schreiben wiederentdecken, dann meinen wir damit, dass die Freude am Streben und Neuem entdecken bereits in uns vorhanden ist. Jedoch haben wir den Bezug dazu verloren. Wollen wir wieder in Kontakt kommen, kann es sich lohnen den Blick darauf zu richten, was unsere Tatkraft verhindert. Sie wird wahrscheinlich durch etwas gebremst. Wenn du auch manchmal den Hintern nicht hoch bekommst, kannst du mutig danach streben zunächst, deine Tatkraft zu entwickeln, damit du genügend Bums bekommst, deine Wünsche auch wirklich umzusetzen.

Es gibt viele Gründe, warum der eigene Antrieb gehemmt sein kann. Ein Großteil sind gesellschaftlicher Natur. Es herrschen falsche Vorstellungen über Dinge wie Angst und Fehler. Auch weiß kaum einer, wie Entscheidungen funktionieren, weswegen viele sie auch nicht treffen können. Oder auch, was Verantwortung ist und wie man sie übernehmen kann und wozu das eigentlich gut ist. Ein Grund, weswegen du diese Dinge noch nicht für dich gemeistert haben könntest, ist anerzogene Faulheit.

Der Buddhist Geshe Pema Samten beschreibt in einem Artikel 3 Arten der Faulheit, die seiner Meinung nach Tatkraft verhindern können.

  1. Hängen am Nichtstun
  2. Hängen an sinnlosen Tätigkeiten
  3. Mutlosigkeit mangels Selbstbewusstsein

Eine Möglichkeit diese Faulheiten zu überwinden besteht darin, dass du dir ihre Nachteile vergegenwärtigst.

Hängen am Nichtstun

Menschen, die am Nichtstun hängen, halten Tätigkeiten für sinnlos, erfolglos oder waren mit der Tätigkeit in der Vergangenheit erfolglos.

Menschen, die dieser Faulheit anhängen, bleiben im Leben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Sie schaffen weder etwas für sich, noch für andere. Sie sitzen einfach nur ihre Zeit ab. Doch so sind wir Menschen nicht konstruiert. Als von Natur aus soziale Wesen, haben wir das Bedürfnis einen Mehrwert zu schaffen. Für uns selbst und dann auch für andere. Wer das nicht vollbringt, erlebt im Nichtstun ein Gefühl der Unzufriedenheit, das durch erneute Ablenkung wieder eine Zeit lang weggedrückt werden kann. Menschen wollen von Natur aus etwas ergründen, nützlich sein und sich einbringen. Diese Tätigkeiten werden vom Gehirn mit dem Gefühl von Lebendigkeit belohnt.

Viele Menschen merken erst dass sie noch gar nicht richtig angefangen haben zu leben, wenn es ans Sterben geht. Doch dann ist es leider schon zu spät. Bedauern macht sich breit. Bronnie Ware arbeitete in einem Hospiz und schrieb ein Buch über die 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen:

  1. "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben"
  2. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet"
  3. "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken"
  4. "Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten"
  5. "Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein"

Es wird gleich zweimal Mut erwähnt. Das könnte ein Anlass sein sich einmal zu fragen: Ist mein kostbares Leben mit seinen Freiheiten und Ausstattungen es wert durch Nichtstun verschwendet zu werden?

Indem du dir vergegenwärtigst, welche Tore dir mit deinem Dasein geöffnet sind, kannst du die Faulheit durch Nichtstun überwinden.

Hängen an sinnlosen Tätigkeiten

  • Robin schreibt gerade einen Artikel. Sie benötigt eine Definition für das Wort obsolet. Als sie es googelt, findet sie ein Video darüber und klickt drauf. Eine halbe Stunde später wird sie sich bewusst darüber, dass sie schon vier weitere vorgeschlagene Videos angesehen hat. Mit obsolet hatten die allerdings schon lange nichts mehr zu tun.

    Robin hat schon eine ganze Reihe von sinnlosen Tätigkeiten entwickelt. Sei es stundenlanges Durchstöbern von Onlineshops, mit Freunden texten oder Fernsehen schauen.

    Immer wenn sie auf diese Weise Zeit verhangen hat, manchmal sogar ganze Tage, spürt sie Ärger über sich selbst und auch einen Tropfen Schalheit gegenüber diesen Tätigkeiten. Eigentlich ödet es sie an, diese Dinge zu tun. Halbbewusst spürt sie, dass sie absolut sinnlos ist. Dennoch kommt sie immer wieder darauf zurück.

Robin hat sich noch nicht genügend vergegenwärtigt, was sie sich da eigentlich antut. Sie ist sich noch nicht gewahr, dass sie sich mit diesen sinnlosen Tätigkeiten selbst schlechte Gefühle bereitet. Deswegen kann sie sich noch nicht entscheiden, diese Dinge zu lassen. Sie kann sich ihrer schlechten Gefühle noch mehr bewusst werden bis sie so genervt davon ist, dass sie es lässt.

Es geht nicht darum zum Abschalten auch mal was zu glotzen. Abschalten und Pausen machen haben ihren Sinn. Es geht um verdaddeln von wertvoller Zeit. Das Verhältnis ist hier der entscheidende Punkt.

Faulheit durch mangelndes Selbstbewusstsein

Robin sagt zu Ulrike: “Ich weiß nicht so richtig, was ich nach meinem Studium machen soll.”

Ulrike meint daraufhin: “Du könntest ja ein Jahr reisen.”

Robin fragt entmutigt zurück: “Und von welchem Geld?”

Und wieder Kant:

„Habe den Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Robin hat durch ihre Frage gerade bewiesen, dass sie ihren Verstand nicht gebraucht hat. Sie war Denkfaul: “Und von welchem Geld?” Sonst wären ihr sicherlich von Beginn an ein paar Möglichkeiten eingefallen.

Ulrike, die wesentlich lebenserfahrener ist als Robin, fragt: “Wenn ich jetzt in deiner Situation wäre und wollte eine Reise unternehmen. Wie würde ich daran gehen?”

Robin überlegt: “Du würdest arbeiten gehen … vielleicht ein paar Sachen verkaufen … Du würdest vielleicht Trampen, da brauchst du gar kein Geld … Du würdest dich schlau machen, wie man günstig Reisen kann…”

Ulrike nickt und schweigt wartend weiter.

Robin wirkt auf einmal viel energetischer und ist jetzt richtig bei der Sache: “Du würdest dir vielleicht auch Geld leihen … Gibt es da nicht auch dieses Work & Travel? Ach weißt du, außerdem habe ich ja tatsächlich auch Geld auf dem Konto, hahaha.”

Durch die kluge Frage der Freundin, gebrauchte Robin ihren eigenen Verstand. Zunächst traute sie sich durch mangelndes Selbstbewusstsein keine eigenständige Lösung des Geldproblems zu. Das drückte sie mit der Frage aus: “Und von welchem Geld?” Doch als Ulrike den Fokus umlenkte, kamen Robin hilfreiche und kreative Ideen.

Kant meinte auch:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“

Auch Kant sieht die Ursachen für diese selbst verschuldete Unmündigkeit in „Feigheit und Faulheit“ sowie in einem „Mangel an Entschlusskraft und Mut, sich aus der Bevormundung durch andere zu befreien.“ Noch heute haben Kants Erkenntnisse die selbe Bedeutung für viele Menschen. Denn es ist ja auch bequemer, andere für sich denken zu lassen. Robin hätte am liebsten gehabt, dass ihr ihre Freundin auf die Frage nach dem Geld antwortet.

Lass uns einmal den Gedanken überprüfen, der mangelndem Selbstbewusstsein zugrunde liegt. Der besteht meistens aus einer Abwandlung von: “Ich habe nicht die Fähigkeit etwas Bestimmtes zu erreichen.” - und dem entsprechenden Gefühl dazu. Dazu verwenden wir die Fragen aus Byron Katies “The work.”

  1. Ist dieser Gedanke wahr? Nein. Denn als gesunder Mensch bist du mit den gleichen Anlagen ausgestattet, wie jeder andere auch. Du brauchst es lediglich zu lernen.
  2. Wie verhältst du dich, wenn du diese Lüge glaubst? Du machst dich kleiner und schwächer als du eigentlich bist.
  3. Gibt es jemanden, der kann, was du dir wünschst?
  4. Wie würdest du dich verhalten, wenn du diese offensichtliche Lüge nicht glauben würdest?
  5. Dreh den Gedanken einmal um: “Ich habe nicht die Fähigkeit etwas Bestimmtes zu erreichen.” und prüfe einmal den Wahrheitsgehalt dieses Gedanken. Du wirst feststellen, dass er mehr wahr ist als dessen Gegenteil.
  6. Welchen Vorteil hast du davon, wenn du den alten Gedanken glaubst? Vielleicht, dass du dich nicht bemühen musst?

Es ist ein Teil von dir, der Faul ist

Wenn du dich nicht aufraffen kannst in die Tat zu kommen, gibt es einen Teil in dir, der dich zurückhält. Du kannst mit diesem Teil in dir kommunizieren, wie mit einer Person. Frage diesen Teil einmal, was seine positive Absicht für dich ist. Damit ist gemeint, welches höherstehende Ziel dieser Teil für dich verfolgt. Häufig ist es seine Absicht dich zu schützen, was ja durchaus eine positive Absicht ist. Für diese Absicht kannst du dem Teil dankbar sein. Wir sagen nicht, dass du ihm für die Trägheit dankbar sein sollst, nur für seine positive Absicht für dich. Diesen Teil in dir kannst du wie ein Kind betrachten, dass noch auf falsche Informationen reagiert. Zum Beispiel, dass Fehler etwas sind, dass man um jeden Preis vermeiden muss. Würden wir das glauben, würden wir auch untätig rumsitzen. Denn wir machen viele Fehler.

Es geht darum deinem inneren Teil neue und passendere Informationen zuzuführen und dich selbst nicht fertig zu machen, wenn du noch nicht die Ergebnisse erreichst, die du erreichen willst. Das ist ganz wichtig.

Gebiete dem Teil in dir, der dich immer wieder klein redet, Einhalt! Stelle dich ihm mutig entgegen und erlaube ihm nicht mehr, so mit dir umzugehen.

Falls du eine Faulheit bei dir erkannt hast, gilt es mit ihr zu arbeiten und nicht gegen sie. Entwickle und fördere den Teil in dir, der dich bis jetzt untätig hat sein lassen. Sie ihn als ein noch nicht erzogenes Kind und gib ihm eine liebevolle Führung, damit er sich entwickeln kann. Dazu bekommst du in den folgenden Artikeln weitere Anregungen.

Zusammenfassung: Tatkraft entwickeln

  • Versuche nicht aus Pflichtgefühle zu handeln, sondern entdecke deine Freunde an der Tat
  • Es gibt 3 Arten von Faulheit, die durch Vergegenwärtigung überwunden werden können
  • 1. Hängen am Nichtstun, 2. Hängen an sinnlosen Tätigkeiten, 3. Faulheit durch mangelndes Selbstbewusstsein
  • Fördere den faulen Teil in dir, indem du ihn liebevoll erziehst



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Mutig Tatkraft entwickeln
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Wenn du auch manchmal den Hintern nicht hoch bekommst, dann fehl dir Tatkraft. In diesem Artikel erfährst du, warum dir Tatkraft fehlt und wie du sie entwickeln kannst. Lerne deine Faulheit zu erziehen.
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