• 23. Oktober 2019

Mut ​und Angst - Mutig Ängste überwinden 

Dein Mut hat eine Gegenspielerin, sie heißt Angst und du hast sie sicherlich schon kennengelernt. In diesem Artikel erfährst du was Angst ist, woher sie kommt und was du gegen sie tun kannst.

Mut und Angst: Dein Mut hat eine Gegenspielerin

  • Daniele läuft zusammen mit einem Freund zum Supermarkt, als ihnen eine fesche Frau entgegenkommt.

    Sein Kumpel Klaus bufft ihm den Ellenbogen in die Seite und flüstert “Ey, schau mal …”

    Daniele sagt daraufhin zu ihm: “Na los, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Geh hin und sag “Hallo”.

    Doch Klaus kneift: “Nee, nicht jetzt. Wir müssen doch zum Supermarkt.”

    Später im Supermarkt schwärmt Danieles Freund noch davon, wie gut sie doch aussah. “Was für ein Geschoss!” Daniele spürt, wie sich sein Freund darüber ärgert, dass er nicht den Mut hatte, sie anzusprechen.

Dein Mut hat eine Gegenspielerin, die du sicherlich schon kennengelernt hast. Bisher kannst du sie wahrscheinlich nicht besonders leiden, weil sie dir schon die ein oder andere Chance zunichte gemacht hat. Jeder kennt sie. Wir sprechen von deiner Angst. Sie versteht es dich zu umhüllen und zu manipulieren, dass du ihr glaubst.

Danieles Freund oben z.B. glaubt, dass er gerade keine Energie hat die Frau anzusprechen und dass es wichtiger ist in den Supermarkt zu kommen als sie anzusprechen. Doch es sind getarnte Ausreden. Dahinter steckt einfach Angst.

Denn schauen wir näher hin:

  • Klaus hat die Energie mit Daniele zu sprechen, warum dann nicht mit dieser Frau?
  • Was soll passieren, wenn sie den Supermarkt 2 Minuten später erreichen? Der kurze Flirt zwischendrin würde auch die Interaktion zwischen Daniele und Klaus intensivieren. Sie hätten entweder einen Erfolg zu feiern oder etwas auszuwerten.

Angst? Was ist das?

Angst hindert dich das zu erreichen, was du haben willst. Deshalb hat die Angst bei den meisten Menschen keinen guten Ruf. Dabei hat sie einen ganz praktischen Zweck. Sie soll dich vor Gefahren schützen, die in der unmittelbaren Zukunft bevorstehen. Das ist der Fall, wenn auf einmal jemand mit einem Messer vor dir steht und dich damit bedroht. 

Doch es gibt noch eine andere Angst: Die Angst, die aus deiner Fantasie kommt. Du kannst sie auch unrealistisch nennen, weil sie eher etwas Fantasiertes ist als etwas auf die Realität bezogenes. Es werden Gefahren simuliert, die es vermutlich gar nicht gibt. Du kennst das vielleicht vom Bewerbungsgespräch oder auch vom Kurzvortrag aus der Schulzeit. Du bist wahnsinnig aufgeregt. Aber weshalb eigentlich? Du reagierst nicht auf die Realität, sondern vielmehr auf deine Fantasien. Du reagierst auf den Gedanken, wie der Personaler dich beim Bewerbungsgespräch mit aller Klarheit ablehnt und du dann auf der Straße verhungern musst oder wie dich die Zuhörer wegen deines Vortrages auslachen und du dich nie wieder irgendwo blicken lassen kannst.

Diese fantasierte Angst ist eine, die dich zurückhält. Sie hält dich davon ab, einen neuen Sportkurs im Fitnessstudio auszuprobieren. Sie hält dich davon ab, einen interessanten fremden Menschen auf der Straße anzusprechen. Sie hält dich davon ab, das zu tun, was du eigentlich gern tun möchtest oder tun könntest.

Woher kommt fantasierte Angst?

Dein Verstand besteht aus mehreren Teilen, wie Abteilungen eines Unternehmens. Wenn es im Unternehmen die Marketing- und Controlling-Abteilung gibt, dann besteht dein Verstand aus:

  1. einem Teil, der Neues entdecken möchte und sich erweitern will,
  2. einem, der Sicherheit möchte,
  3. einem, der in Beziehung zu anderen Menschen gehen möchte,
  4. und einem, der für für deine körperlichen Grundbedürfnisse, wie Essen und Schlafen einsteht.

Die Sicherheitsabteilung und die Abteilung für Neues sind sich im Verstand einiger Leute nicht besonders grün. Sie arbeiten eher gegeneinander als miteinander. Meistens ist die Sicherheitsabteilung energetisch wesentlich stärker besetzt als die Abteilung für Neues. Es herrscht innerer Krieg und ein inneres Ungleichgewicht. Der Sicherheitsteil in dir arbeitet am liebsten mit Angst und schreckt auch nicht davor zurück, dir Horror-Fantasien zu zeigen. Alles, damit deine Sicherheit gewährleistet ist. Wenn du soweit bist, kannst du deiner Abteilung für Neues mehr Aufmerksamkeit schenken. Das kannst du tun, indem du nicht mehr jede Fantasie ungeprüft glaubst.

“Glaube nicht alles, was dein Sicherheits-Teil dir fantasiert.”

Wie kommt es zur Überwertung unseres Sicherheits-Teils? 

Als Baby warst du komplett abhängig von den Menschen, die dich großgezogen haben. Du konntest dich weder allein ernähren, noch wärmen, fortbewegen oder schützen. Du warst darauf angewiesen, dass dich jemand fütterte. Auch als Kleinkind, als du schon laufen konntest, war das noch weitestgehend so. Ein junger Mensch in einer solchen Abhängigkeit baut sein Weltbild auf der Grundlage dessen auf, was ihm von seinen Eltern geboten wird. Es stehen kaum andere Informationen zur Verfügung. 

  • Als Robin als kleines Kind beispielsweise einfach losgelaufen ist, um etwas zu erkunden, könnte ihre ängstliche Mutter mit angstmachender Stimme etwas Ähnliches zu ihr gesagt haben, wie: “Wenn du einfach los läufst, dann findet dich Mama nicht mehr und dann bist du ganz allein.” Das hat Robin als Kind häufiger erlebt und die Ängstlichkeit der Elternperson übernommen.

Ängstigungen hört man oft, wenn Eltern mit ihren kleinen Kindern sprechen. Ein Elternteil baut ein schlimmes Szenario auf, um das Kind zum gewünschten Verhalten zu bewegen. Auch wenn sie vor Gefahren schützen sollen, Erklärungen wären das probatere Mittel. Ängstigungen schüren die Vorstellung, dass die Welt ein gefährlicher Ort sei. Auf diese Weise wird unsere angeborene Neugier geschwächt und der Sicherheits-Teil überwertig ausgeprägt.

Ein anderes gängiges Erziehungsverhalten ist der Liebesentzug. Um das Kind dazu zu bewegen, was die Eltern von ihm wollen, wird ihm die Zuwendung entzogen:

  • Als Robin noch ein Kind ist, will sie ihr Abendessen nicht essen. Nachdem es zweimal angesprochen wurde, geben die Eltern frustriert auf und lassen sie ihre Enttäuschung spüren. Sie reagieren nur noch kurz angebunden, wenden sich ab und lassen sie links liegen. Die Eltern gehen aus der Beziehung. Für die kleine Robin ist das unerträglich und löst existenzielle Angst aus, weil es die elterliche Zuwendung  aufgrund ihrer Abhängigkeit benötigt. Deshalb wird sie dann auch schnell einlenken oder ihrerseits mit Ausweichstrategien reagieren, wie Rebellion beispielsweise.

Solange Eltern ihren Sicherheits-Teil nicht hinterfragt und balanciert haben, stecken ihre Kinder mit der Angst an, die sie selbst als Kinder übertrieben eingeimpft bekamen. Die angstmachenden Szenarien der Eltern könnten dann zur Basis des Weltbildes des Kindes werden. Auf diese Weise wird das “ängstliche Weltbild” von einer an die nächste Generation übertragen.

Solche grundlegenden Erfahrungen können zum unbewussten Fundament eines Weltbildes und einer Haltung werden. In neuen Situationen bezieht sich das Kind dann auf diese Grundlagen.

Ein Spielkamerad von Robin sagt: Komm, wir laufen da hinten hin. Jetzt könnte ihr verankerter Mechanismus greifen: “Wenn ich jetzt einfach loslaufe, werde ich allein sein.” Die kleine Robin könnte auf die muntere Aufforderung ihres Spielkameraden gehemmt antworten: “Ich weiß nicht. Ich bleibe lieber hier.”

Sie könnte auch bereits den Liebesentzug vom Essen auf weitere Situationen verallgemeinert haben. Man kennt das von einigen Menschen, die mal von einem Hund gebissen wurden. Sie haben dann Angst vor allen Hunden. Bezogen auf unser Beispiel: “Wenn ich jetzt loslaufe, werden mich meine Eltern nicht mehr beachten und beschützen.” Damit festigt sich Robins Grunderfahrung, die sich schließlich bis ins Erwachsenenalter halten wird.

Aufgrund dieser Zusammenhänge schauen so viele Psychologen auf die Kindheit, wenn Probleme im Erwachsenenalter behandelt werden. Unhinterfragt werden unrealistische Gedanken einfach als unbewusste Grundlage für weitere Entscheidungen verwendet.

Die Kindheit bildet das Fundament, auf der das Haus des Erwachsenenlebens gebaut wird!

Warum geben Eltern diese Haltung an ihre Kinder weiter? Erstmal ist es einfach ein Kind auf diese Weise zu steuern. Zweitens, erleben Eltern aufgrund der prompten Reaktion des Kindes ein Gefühl von “So erziehe ich richtig!”, wenn sie ihre Kinder auf diese Weise beeinflussen. Dabei ist dies alles andere als zweckmäßig. Sie folgen unbewusst den nicht hinterfragten Erziehungsmethoden ihrer Eltern. Aus deren Perspektive gesehen, machen sie alles richtig. Wahrscheinlich bekommen die heutigen Eltern dann noch nickende Anerkennung von den heutigen Großeltern: “Wir würden das genauso machen.” Dabei wissen beide Generationen nicht, wie sie den Nachwuchs damit einschränken.

Wenn Kinder solcher Eltern erwachsen werden, liegt die Aufmerksamkeit vermehrt darauf, bloß nichts falsch zu machen. Sie fühlen sich von ihren Unsicherheiten gelähmt. Es könnten Menschen werden, die kaum etwas aus eigenem Antrieb umsetzen. Menschen, die neue Ideen schnell madig reden, statt sie erst einmal wirken zu lassen und zu überlegen, wie man sie realisieren könnte.

Es sind Menschen, die auf Sicherheit spielen und gesundes Risiko scheuen. Es sind Menschen, die sich nach einem missglückten Versuch Anderer hinstellen und sagen “Ich hab’s dir gleich gesagt!”, statt jemals selbst einen echten Versuch unternommen zu haben. Alles aus Angst.

  • Einer von Danieles ersten unternehmerischen Gehversuchen bestand darin, handgemachte Tassen aus Südamerika über das Internet zu verkaufen. Er dachte sich: “Tassen braucht jeder und diese schönen Dinger werden mir die Leute aus den Händen reißen.” Das Geschäftsmodell war das älteste der Welt: Schöne Tassen an einem Ort billig einkaufen und woanders teurer verkaufen.

    Zusammen mit seiner Freundin trafen sie Absprachen mit der Tassen-Fabrik, ließen Versandkartons für die einzelnen Tassen anfertigen, machten Produktfotos, verschickten die Tassen nach Deutschland und stellten sie auf einer großen Verkaufsplattform online.

    Das Produkt floppte. Ihre Tassen wurden einfach nicht gekauft. Danieles Vater meinte zu ihm: “Ich habe es dir doch gleich gesagt, dass das eine dumme Geschäftsidee war.” 

Menschen, deren innerer Antrieb nach Neuem gehemmt ist, machen es sich bequem und haben verstanden, dass man keine Fehler macht, wenn man nichts unternimmt. Schlau daherreden und Ratschläge geben ist einfach. Manchmal halten wir solche Menschen sogar für klug, denn ihre Ratschläge haben ja durchaus auch Wahrheitsgehalt. Doch fühlen wir die Lauheit ihres Lebens, wenn sie uns ihre Bedenken zukommen lassen, wie ein abgestandenes Sprudelgetränk. Wir haben ein “Geschmäckle” von ihnen mitbekommen und damit kommen wir zum eigentlich Kern.

Viel schlimmer als ihre gut gemeinten Versuche andere zu bremsen ist, dass diese Menschen sich selbst bremsen. Ihr “Ich würde ja gern mal einfach loslaufen, aber dann bin ich ganz allein” hat sich ins Erwachsenenleben übertragen und wurde nie hinterfragt. Sie bleiben in ihren Fantasien hängen und machen nicht das, was sie wirklich einmal gern tun würden. Leider ist ihnen das nicht einmal bewusst.

Was du im Hier und Jetzt ändern kannst 

Zuerst kannst du diesen Tipp befolgen:

“Nimm nur Ratschläge von denjenigen an, die da stehen, wo du hin willst. Überprüfe alle anderen mit deinem eigenen Verstand.”

Es geht nicht darum, unüberlegte Risiken einzugehen. Es geht uns um deinen Mut. Lebensmut. Den Mut echt zu leben. Es geht darum, dass du dir endlich ein Herz fasst, die Dinge zu tun, die DU willst. Ziele zu verfolgen, die DIR wichtig sind.

Klar, ein Kind muss seine Grenzen kennenlernen. Doch leider ist es ein Nebenprodukt der Erziehung, dass zu viele Grenzen gesetzt werden oder an den falschen Stellen.

Es wird dir jedoch nichts bringen auf deine Eltern sauer zu sein. Wir wissen, sie sind unter den gleichen Bedingungen aufgewachsen oder eher noch in schwierigeren. Sie haben ihr Bestes für dich getan und sie sind ja häufig selbst auch Opfer ihrer überwertig gelebten Sicherheit. Du wirst deine Kinder übrigens wahrscheinlich genauso erziehen, wenn du nichts unternimmst. Vereinfacht gesagt, geben wir unsere ungelösten Ängste und inneren Konflikte weiter, von Generation zu Generation. Das passiert so lange, bis mal jemand sich den anstehenden Themen stellt und sie löst.

“Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.”

Mahatma Gandhi

Denn unsere Erziehung ist zwar der Grund dafür, dass wir so sind, wie wir sind. Sie ist jedoch keinesfalls eine Begründung so zu bleiben wie wir sind. Als erwachsener Mensch hast du die Möglichkeit etwas zu ändern, und zwar grundlegend.  

Dazu musst du nicht mal in deinen Kindheits-Themen herumwühlen. Es reicht aus, wenn du dich mit der Gegenwart auseinandersetzt. Die auf dieser Seite beschriebenen Methoden zielen darauf ab, dass du im Hier und Jetzt etwas verändern kannst. Es braucht keine 5 Jahre auf einer Couch beim Therapeuten, um sich seine Wünsche zu erfüllen.

Zusammenfassung

  • Dein Mut hat eine Gegenspielerin, Angst
  • Sie soll vor Gefahren schützen
  • Es gibt noch fantasierte Angst, die eher unrealistisch ist
  • Durch Ängstigung und Liebesentzug werden wir als Kinder verunsichert
  • Eltern stecken Kinder oftmals mit der eigenen Angst an
  • Die Kindheit bildet das Fundament, auf der das Haus des Erwachsenenlebens gebaut wird
  • Eltern haben ängstliches Verhalten oftmals selbst von ihren Eltern gelernt
  • Wenn du Veränderung haben möchtest, suche sie in dir selbst
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