Ich bin okay du bist okay: So kannst du dich zumuten

Kennst Du das? Du fährst bei jemandem im Auto mit und traust Dich nicht danach zu fragen, ob ihr mal eine Toilettenpause einlegen könnt? Stattdessen hältst Du aus und fühlst Dich nicht besonders gut. Erst wenn es wirklich nicht mehr geht fragst Du nach einem Halt. In Beziehung auf "Ich bin okay du bist okay" wertest du dich hier ab. Dabei kannst du dich ruhig zumuten.

Transaktionsanalyse - Auto

Manche Menschen erleben Situationen, wie diese, zuhauf. Sei es, dass Du Dir nicht traust das im Restaurant kalt servierte Gericht zurückgehen zu lassen oder entgegen der Gruppenmeinung eine andere Auffassung zu vertreten. Ich glaube die Ursache sich nicht zu trauen ist eine Abwertung des eigenen Selbst gegenüber anderen Menschen. Die eigenen Bedürfnisse werden zugunsten von Harmonie und Konformität zurückgestellt. Transaktionsanalytisch könnte man auch sagen: Man befindet sich im angepassten Kind. Man stellt sich selbst zurück.

Um sich selbst kümmern

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Ich habe eine Weile Menschen beobachtet, die solches Verhalten nicht zeigen. Sie kümmern sich um ihre Bedürfnisse. Sie fragen ganz selbstverständlich nach einer Toilettenpause, lassen freundlich das Essen zurückgehen und wollen noch eine Kirche besichtigen, statt alle anderen, etwas Trinken zu gehen. Sie muten sich zu.

Gleichzeitig beobachte ich an mir selbst, dass ich gern auf die Zumutungen solcher Art meiner Mitmenschen eingehe. Wenn ich Fahrer bin und jemand fragt mich nach einer Toilettenpause, dann halte ich selbstverständlich an. Und als ich in der Gastronomie gearbeitet habe, entschuldigte ich mich in Namen des Restaurants, wenn jemand sein Essen reklamierte. Falls ein Freund bei einem Ausflug noch eine Kirche besichtigen will, dann kann er das machen. Ich warte im Café auf ihn. Es handelt sich für mich um Selbstverständlichkeiten.

Ich glaube dass viele Menschen sich nicht zumuten, weil sie Angst davor haben einem anderen Unannehmlichkeiten zu bereiten oder Sorge haben aus der gesellschaftlichen Rolle zu fallen. Vielleicht sagt ihre innere elterliche Stimme: „Sowas macht man nicht“ oder "Was könnten die anderen von mir denken." Stattdessen stellen sie ihre Bedürfnisse zurück. Das kostet wertvolle Energie. 

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Bisher entspricht es meinem Erleben, dass Menschen grundsätzlich sehr gern behilflich sind. Sie fühlen sich gebraucht. Die dafür erhaltene Dankbarkeit wird häufig als positiv wahrgenommen. Du hast aber auch die Erlaubnis für deine Bedürfnisse einzustehen, auch wenn es anderen Menschen nicht so gefällt.

Ich selbst mute mich inzwischen anderen Menschen zu. Vor einem Kauf frage ich nach Rabatt, im Hotel nach einem anderen Zimmer, im Auto nach Toilettenpausen. Ich mache sehr gute Erfahrungen im Einstehen für meine Bedürfnisse. Sie werden ernst genommen und berücksichtigt. Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit nach dem Weg zu fragen. Genauso selbstverständlich bin ich behilflich, wenn sich mir andere Menschen auf freundliche Art und Weise zumuten.

Ich bin okay, du bist okay: Die Art und Weise macht den Unterschied

Ich bin okay, du bist okay: Es gibt auch Methoden sich auf unangenehme Art zumuten. Solche Menschen äußern ihr aufkommendes Bedürfnis nicht, sondern halten es zunächst zurück. Im Restaurant ist der Tisch nicht abgewischt und der Kellner hat längere Zeit auf sich warten lassen. Nachdem dann das Essen auch noch lauwarm ist, gibt es einen Knall. Das Essen wird lautstark zurückgegeben. Für den Kellner sehr unangenehm und für die Anwesenden peinlich. Ich überspitze ein wenig. Durch die vorangegangenen unbefriedigten Bedürfnisse hat sich Ärger aufgestaut und entlädt sich in einer Situation. Die Transaktionsanalyse nennt das aufstauen von Gefühlen "Rabattmarken sammeln." Hätte der Gast von Anfang an auf sich geachtet und sich mit seinen Bedürfnissen zugemutet, hätte er sich viel Ärger sparen können. Er hätte sich mehr in Ruhe lassen können. Er hätte die Möglichkeit gehabt den Kellner freundlich nach Bedienung und einem sauberen Tisch zu fragen. Ein Geheimnis des angemessenen sich zumutens liegt meiner Ansicht nach darin, dass ich es möglichst bald tue. Ich staue nichts auf. Oder noch schlimmer: Gar nichts sagen und mit Ärger im Bauch hinterher Lästern.

Ja, aber…

Kennst Du diesen Einwand? „Ja, aber ein gewischter Tisch, zügige Bedienung und warmes Essen sollten ja wohl ein Standard im Restaurant sein.“ Solche Formulierungen kannst du einer elterlichen Denkweise zuordnen. Um sie zu erkennen hat die Transaktionsanalyse das Konzept der "Ich-Zustände". Statt mich mit dem Eltern-Ich über die Situation aufzuregen kann ich die TA anwenden. Ich kann im Erwachsenen-Ich-Zustand bleiben oder dahin wechseln. Dann kann ich mich angemessen zumuten und aus der Situation das Beste machen. Ob Du Dich in einer solchen Situation entscheidest Dich zu ärgern oder nicht, hängt meiner Meinung nach davon ab, wie sehr Du Wert auf ein freudvolles Leben legst.

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Mehrfach zumuten

Wenn ich gleich mehrere Wünsche an jemanden richte, gebe ich ihm meistens besondere Beachtung. Damit möchte ich sicherstellen, dass er oder sie sich gesehen fühlt. Er oder sie soll wissen, dass ich seine oder ihre Hilfe zu schätzen weiß. Ich gebe zu verstehen, dass ich das für mein Wohlergehen benötige. Im Restaurant: „Entschuldigen Sie, ich habe gleich vier Anliegen. Könnten Sie mit die Nummer fünf ohne Pilze bringen, die Cola ohne Eis – aber dafür mit Zitrone – zubereiten und den Tisch noch einmal abwischen? Das wäre toll. Vielen Dank.“ Meistens bekomme ich meine Wünsche sehr freundlich erfüllt. Ein Schlüssel ist, in meinen Augen, mich angemessen zuzumuten.

Langfristig betrachtet

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Es geht dabei nicht darum seinen eigenen Kopf mit Macht durchzusetzen. Es geht darum Deine Bedürfnisse angemessen unter Beachtung der Bedürfnisse anderer durchzusetzen. Ich bin okay, du bist okay. Auf sich selbst zu achten und für seine Bedürfnisse zu einzustehen sehe ich als einen Dienst an Dir selbst und an Deiner Umgebung. Nicht genug beachtete Bedürfnisse erzeugen auf die eine oder andere Art Unwohlsein. Dein eigenes Unwohlsein kann – langfristig betrachtet – nicht förderlich für Deine Umgebung sein. In welchen Bereichen mutest Du Dich noch nicht genug zu? Wie kannst Du das angemessen tun? Schreib es in die Kommentare!

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Ich bin okay - du bist okay: So kannst du dich zumuten
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Ich bin okay - du bist okay: So kannst du dich zumuten
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Ich bin okay du bist okay - Du fährst bei jemandem im Auto mit und traust Dich nicht danach zu fragen, ob ihr mal eine Toilettenpause einlegen könnt? Hier lernst du, wie du dich angemessen zumuten kannst.
Steffen Raebricht
Steffen Raebricht
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4 comments
Darijo Visevic says 2. Mai 2016

Nette Texte, vielen Dank!

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Benna says 10. Januar 2017

Hallo Steffen, Deine Seite und Deine Videos finde ich sehr sehr gut. Ich mag Deine Beispiele und Deine Art zu erklären. Für mich ist das alles sehr logisch und gut verständlich.

Über dieses Beispiel mit dem Zumuten und manchmal zu lange warten habe ich eben nachgedacht. Im allgemeinen kann ich ganz gut rechtzeitig etwas sagen, wenn ich es denn merke, was es ist, was gerade nicht stimmt! Das ist für mich ein ganz wichtiges Ding, dass es immer mal wieder Situationen gibt in denen ich ganz deutlich spüre, dass etwas nicht gut ist für mich- im Job, in der Beziehung etc… ich aber nicht so schnell identifizieren kann was es denn genau ist. Ich habe gemerkt, dass das öfter in der Vergangenheit daran lag, dass andere nicht mit offenen Karten gespielt haben oder Entscheidungen getroffen wurden, die mich betreffen, ohne mich mit einzubeziehen oder zu fragen. Wenn ich es denn gemerkt habe, habe ich auch zeitnah das Gespräch mit den entsprechenden Leuten gesucht. Ich muss aber auch sagen, dass sich dann schon ein gewisser Ärger aufgestaut hatte. Irgendwie fühlt sich das dann auch an wie in die Rolle eines unwissenden Kindes gedrängt zu werden. In den entsprechenden Situationen wäre es tatsächlich Sache der anderen gewesen, mich zu informieren bzw. mit mir zu sprechen. Diejenigen haben das zum Glück dann auch bemerkt.

Manchmal merke ich aber vielleicht auch tatsächlich selber nicht so schnell, dass etwas gerade nicht gut für mich ist.
Das heißt bei mir ist es generell eher nicht eine Sache des “sich trauens” sondern eher eine Sache des “wahrnehmen, bemerken, achtsam sein”.

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    Steffen says 10. Januar 2017

    Hallo Benna, guter Punkt. Ich darf auch noch achtsamer mit mir sein. Ich glaube, dass wir mit der Übung an einen Punkt kommen, wo wir im Entstehen der Situation die Achtsamkeit haben Dinge anders zu gestalten. Bei mir braucht es oftmals ein wenig Zeit, bis ich solche Situationen klar identifizieren kann. Da versuche ich geduldig mit mir zu bleiben. Viele Grüße, Steffen

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