• 23. Oktober 2019

Denkgewohnheiten Mutig erweitern 

Aus diesem Artikel, weißt du wie Ängste entstehen. Hier werden wir uns anschauen, durch welche Mechanismen es unsere Ängste schaffen, bis ins Erwachsenenalter zu überleben und dabei ihre Macht immer weiter auszubauen. Das Geheimnis heißt:

Gewohnheit.

Gewohnheiten sind Automatisierungen, die unbewusst immer wieder abgerufen werden können. Wie können sie ausführen ohne darüber nachzudenken, wie beispielsweise die Dusche bedienen. Jetzt richten wir den Blick auf unsere Denkgewohnheiten.

Mutig dein Leben meistern

Ängste überwinden und Herausfordungen meistern mit einem Mut-Mindset

So entstehen Denkgewohnheiten

Kleinkinder sind vollständig abhängig von ihren Elternpersonen. In dieser Zeit trifft das kleine Kind eine emotionale Grundentscheidung. Emotional deswegen, weil ein Mensch in diesem Alter das Denken in Sprache noch nicht beherrscht. Diese Entscheidung ist deshalb auch nicht bewusst. Je nachdem, in welchen Verhältnissen sich das Kleinkind befindet, entscheidet es darüber, wie es sich selbst, andere und die Welt wahrnehmen wird. Wird es gut versorgt? Sind die Eltern häufig genervt? Lässt man es schreien usw. Eine dieser 4 Grundentscheidungen, auch Lebensgrundpositionen, wird es jedoch treffen:

  1. Ich bin okay, du bist okay (+/+)
  2. Ich bin okay, du bist nicht okay (+/-)
  3. Ich bin nicht okay, du bist okay (-/+)
  4. Ich bin nicht okay, du bist nicht okay (-/-)

Lass uns diese 4 Positionen beleuchten: Entscheidet sich ein Mensch unbewusst für die erste Position, erlebt er sich selbst als in Ordnung und andere auch. Solche Menschen erleben wir als ausgeglichen, in sich ruhend und mit der Welt in Einklang. Diese Menschen glauben an sich selbst und andere. Sie haben einen guten Zugang zu ihren Bedürfnissen und können sie auf angemessene Weise erfüllen. Eine solche emotionale Entscheidung trifft ein Kleinkind am wahrscheinlichsten, wenn seine Bedürfnisse verlässlich gestillt wurden. Das bedeutet, dass die Eltern eine gute Verbindung zum Kind hatten und Wärme und Zuneigung bedingungslos und im richtigen Maß geben konnten.

Ein Mensch, der die Position 2 bis 4 besetzt, erlebt in irgendeiner Weise einen Mangel, beispielsweise zu wenig Nahrung oder Wärme. Wahrscheinlicher ist in unserer Gesellschaft jedoch ein Mangel am richtigen Maß und der Art von Zuneigung. Dann kommt ein junger Mensch zu einem emotionalen Schluss, der in Worte gefasst, so lauten könnte: “Ich bekomme nicht was ich brauche. Ich erlebe hier irgendeinen Mangel. Daran sind schuld:

  • Die anderen
  • Oder ich selbst
  • Oder die anderen und ich selbst

Die Lebensgrundposition “Ich bin okay, du bist okay” braucht keine weitere Aufmerksamkeit. Die Position “Ich bin nicht okay, du bist nicht okay” kommt nicht so häufig vor, weil sie nicht dauerhaft aushaltbar ist. Es ist die Position der Verzweiflung. Bleiben noch die Positionen “Ich bin okay, du bist nicht okay” und “Ich bin nicht okay, du bist okay”, welche im Alltag häufig zu finden sind.

Deine Denkgewohnheiten erkennen 

Ich bin okay, du bist nicht okay (+/-) 

Daniele gehört zu diesen Menschen. Weil er diese Lebensgrundposition hat, schiebt er Fehler bevorzugt der Außenwelt zu. +/- kann durchaus auch in einem freundlichen Gewand daherkommen. Daniele hat sich damals für seinen Arbeitgeber sehr eingesetzt und aufgerieben. Hätte man ihn gefragt weshalb, hätte er zu verstehen gegeben, dass ohne ihn ja nichts passieren würde. In der Aussage steckt eine Abwertung der anderen: “Denen ist nichts zutrauen”. Das stimmt allerdings nur zum Teil. Denn die aufopfernde Hingabe Danieles stellt eine Einladung für andere dar, weniger zu tun. Das wird unbewusst gern angenommen und ermutigt andere zudem nicht, ihre Verantwortlichkeiten wahrzunehmen. Einen humorigen Ausdruck mit bitterem Beigeschmack dieser Dynamik findet sich in der Abkürzung TEAM: “Toll, Ein Anderer Machts.”

Aber auch Danieles Mutter, die sich damals mit ihm als Kind überfordert fühlte und ihren Mann anschnauzte: “Ich muss hier alles allein machen.” Sie erlebt sich als in Ordnung und verantwortlich, während die anderen scheinbar das Fehlverhalten zeigten. Hier werden häufig Teile der Realität ausgeblendet. Danieles Mutter wird wahrscheinlich schon über einen längeren Zeitraum Arbeiten an sich gezogen haben. Vielleicht hatte sie damals sogar schon einmal dem Vater beim Füttern von Daniele den Löffel aus der Hand genommen mit der Bemerkung: “So geht das nicht, lass mich mal!” - und ihn damit übergriffig von seiner Arbeit entbunden.

Aber auch beim Arzt erleben wir diese Position. Wenn der Weißkittel von vornherein weiß, was mit dem Patienten los ist, ohne ihn angehört zu haben. Die Haltung macht den Unterschied oder wie der Volksmund sagt: “Der Ton macht die Musik.” Gerade Menschen mit Helfersyndrom sind sich häufig nicht bewusst, dass sie eine Haltung von “Ich bin okay, du bist nicht okay” vertreten. Pflegepersonal, Sozialarbeiter, Psychologen, Berater, Eltern usw. geben mit ihren gut gemeinten Ratschlägen Indizien für diese Haltung ab.

Offensichtlicher ist diese Haltung bei Menschen, die andere mit ihren Kommentaren offensiv abwerten. Daniele beobachtete neulich einen Vater mit seinem Sohn beim Schneiden einer Hecke. Der Vater warf dem Sohn Dummheit vor, eine ganz klare Abwertung und somit ein offensichtlicher Ausdruck der Haltung: “Ich bin okay, du bist nicht okay.”

In Beziehung ist Daniele eigentlich immer der sichere und leitende Part. Er schlägt vor, entscheidet im Zweifelsfall und leitet an. Auch in Gruppen übernimmt er häufig eine Führungsposition, was andere durchaus zu schätzen wissen. Daniele lebt eine übersichere Position. Das bedeutet, dass er mehr Antworten gibt als Fragen stellt. Problematisch wird diese Position manchmal, wenn sie überwertig gelebt wird. Das schlägt dann in eine gewisse Arroganz um, die Daniele damit rechtfertigt, dass er nun mal führt und Antworten gibt. Andere erscheinen aus seiner Sicht nun einmal unfähiger als er selbst, was aber eigentlich damit zu tun hat, dass er bei offenstehenden Entscheidungen die Führung an sich zieht, statt abzuwarten, was passiert. Das kann er kaum aushalten.

Daniele gibt kaum Komplimente an andere. Er legt einen hohen Maßstab an für das, was eine gute Leistung ist. Daniele zeigt viel Eigeninitiative, glaubt seine eigene Meinung zu haben (die er aber tatsächlich von anderen Autoritätspersonen übernommen hat) und übernimmt in zu vielen Bereichen Verantwortung. Auf den ersten Blick glaubt man gar nicht, dass er ein Mutbuch gebrauchen könnte. Danieles Entwicklungspotential liegt darin, menschlicher zu werden. Das bedeutet, sein Gefühlsleben zu entwickeln, mehr Verständnis aufzubringen und auch die eigene Verletzlichkeit zu zeigen.

Daniele fragt gerade, warum er das tun sollte. Weil es ihn mit der Welt verbindet. Daniele fühlt sich durch seine +/- Haltung häufig allein und unverstanden. Indem er seine Fähigkeiten zur Verletzlichkeit und Gefühlsbezug entwickelt, kann er einen enormen Sprung in seiner erlebten Lebensqualität erreichen.

Ich bin nicht okay, Du bist okay (-/+)

Dazu gehört Robin. Sie erlebt sich als nicht okay, während sie andere überhöht. Kannst du dich noch erinnern, als Robin ihre Freundin fragte, von welchem Geld sie die Reise finanzieren solle? Sie überhöhte ihre Freundin, indem sie Ulrike einlud für sie zu nachzudenken, wie man Geld beschaffen könnte. Gleichzeitig wertete Robin ihre eigene Fähigkeit zu Denken ab, denn sonst hätte sie selbst nachgedacht. Das passiert ihr auch in anderen Situationen.

Robin traut sich vielen Bereichen nichts zu und wird so zum Mitläufer. In ihrer Beziehung ist sie meist unsicher und hört lieber auf das, was ihr Partner sagt. Robin lebt eine untersichere Position. Sie stellt mehr Fragen als sie Antworten gibt. Andere scheinen aus ihrer Sicht smarter und fähiger zu sein als sie. Das hat jedoch eigentlich nur damit zu tun, dass sie sich nicht traut, sich zu zeigen. Ihr würde es helfen nicht so zögerlich zu sein und sich einfach mal was zuzutrauen. Beispielsweise eine Unternehmung zu planen und sich diese Planung auch nicht aus der Hand nehmen zu lassen.

Im Beruf steht Robin häufig in der zweiten Reihe, während sie den Kollegen aus einem falschen Verständnis von Freundlichkeit den Vortritt lässt. Sie unterstützt andere und bleibt dabei selbst manchmal auf der Strecke.

Robin kann gut ihre Bewunderung mitteilen: “Oh, ich finde das so toll, was du für Sachen machst.” Dabei schwingt mit: “Ich wäre auch gern wie du”, weil sich Robin selbst und ihre Fähigkeiten abwertet. Deswegen verkauft sie sich unter Wert. Robin übernimmt schnell die Ansichten von anderen, zeigt wenig Eigeninitiative, übernimmt in zu wenigen Bereichen Verantwortung und bleibt deswegen häufig hinter ihren eigenen Möglichkeiten zurück.

Meist findet man diese Haltung in stark hierarchisierten Betrieben, wo Untergebene sich nicht trauen, selbstständig zu handeln. Robin fragt ihren Vorgesetzten ohne sich vorher selbst Gedanken zu machen: “Wie soll ich das machen?”

An dieser Stelle ist es gut möglich, dass der Vorgesetzte dann mit einer Haltung von “Ich bin okay, du bist nicht okay” reagiert: “Wenn sie das nicht verstehen, kann ich es auch gleich allein machen.” Auf diese Weise ergänzen sich Menschen wie Robin und Daniele mit ihren Haltungen und machen sich gegenseitig das Leben schwer. Oder sie bilden eine Einheit, wo der eine nicht ohne den anderen kann. Beide Positionen haben auch ihre Vorteile. Robin muss sich nicht selbst anstrengen und Daniele bekommt Aufmerksamkeit.

Was wir bis jetzt beschrieben haben, ist das Grundrauschen eines Menschen. Jeder hat es. Doch so einfach können wir dieses Konzept nicht stehen lassen. Denn unserer Grundrauschen ändert sich auch von Situation zu Situation. Daniele mit seiner +/- Haltung ändert seine Weltanschauung auch schonmal auf +/+, beispielsweise bei einem Vertragsabschluss, bei guten Nachrichten oder beim Nachmittags-Kaffee. Die Situationen sind individuell und bei jedem Menschen verschieden. Robin (-/+) kann durchaus auch auf +/- gehen, beispielsweise beim Ablästern mit ihren Freundinnen oder auch, wenn sie sich über eine Demo im Fernsehen aufregt. Unabhängig vom Grundrauschen einer Person sind auch alle anderen Kombinationen der Lebensgrundpositionen möglich. Das ist abhängig von der jeweiligen Situation.


Deine Denkgewohnheiten erweitern

Daniele hat seinen Mittagschlaf beendet, ist mit dem Roller zur Arbeit gefahren und hat ihn auf dem Parkplatz abgestellt. Er läuft die letzten Meter zum Büro, denn er will noch arbeiten. Vor ihm sieht er einen Mann aus einem Geschäft kommen. Die beiden werden nie ein Wort miteinander wechseln. Der Mann ist zufällig da. Doch als Daniele ihn erblickt, denkt er sich: 

„Ich bin cooler als er!“

Du weißt jetzt, dass jeder Mensch eine Grundposition hat und dass viele Ängste noch aus deiner Kindheit stammen. Doch wie schaffen wir es, erzeugte Urängste bis zum Erwachsenenalter stabil zu halten? Wie gehen wir mit Informationen um, die nicht in unser Weltbild passen, die es vielleicht sogar in Frage stellen? Wie schafft es Robin immer sich unfähig zu fühlen und wie stellt Daniele es an, sich immer wieder überlegen zu fühlen?

Stell dir vor die beiden stehen im Museum und schauen auf dasselbe Bild.

Robin sagt: „Ich sehe eine Frau, im dunklen Gewand. Das Bild ist in einen goldenen Rahmen eingefasst. Im Hintergrund befindet sich eine Landschaft.“

Daniele sagt: „Die Frau lächelt. Sie wirkt zufrieden und zurückhaltend. Sie schaut mich direkt an.“

Wir als Zuhörer könnten zu dem Schluss kommen, dass es sich um völlig verschiedene Bilder handelt. Dennoch ist die Situation die Gleiche. Nur die Wahrnehmung der zwei ist unterschiedlich. Wenn die Beiden zusätzlich noch noch über ihre Sinneseindrücke berichten, was sie gefühlt, gehört, gerochen usw. haben, dann sind diese Sinneseindrücke auch noch einmal verschieden.

Ganz besonders deutlich wird das bei Essensvorlieben. Robin schmeckt Nudelsalat auf Grillparties, Daniele kann ihn überhaupt nicht leiden. Wir wiederum finden ihn einfach nur okay. Naja, Steffen mag auch keinen Nudelsalat. Es ist und bleibt aber derselbe Nudelsalat.

Wie kann es sein, dass wir ein und dieselbe Realität so unterschiedlich wahrnehmen? Das liegt am Realitätsfilter, den jeder von uns hat. Er kann gesehen werden als eine Brille, die nur ein bestimmtes Lichtspektrum durchlässt. Es wird nur das durchgelassen, was du gerade für deine persönliche Verarbeitung benötigst. Das soll auch so sein. Denn würde alles durchgelassen werden, ohne jegliche Priorisierung, wären wir heillos überfordert. Alle Informationen wären gleich wichtig und wir könnten uns auf nichts mehr konzentrieren. Dann wüssten wir nicht, woran wir uns orientieren sollten und wären hilflos.

Aus diesem Grund haben wir von unseren Eltern gelernt, Reize zu bewerten. Ob wir etwas als wohlschmeckend empfinden oder nicht, als laut/normal/leise, groß/mittel/klein oder als angenehm/indifferent/unangenehm, hängt von unseren verinnerlichten und unbewussten Vergleichswerten ab.

Daniele ist in einer Familie aufgewachsen, in der ein lauterer Umgangston an der Tagesordnung war - Vater beim Militär und Mutter Sportlehrerin. Bei Robin wurde die Lautstärke eher gedrosselt gehalten - Mutter Buchhalterin und Vater Bibliothekar. Ihr Empfinden von laut und leise ist ein völlig Unterschiedliches. Sie haben verschiedene Orientierungspunkte, aufgrund ihrer vorangegangenen Erlebnisse.

Daniele schaut gerade auf sein Handy und schreibt eine Nachricht. Nebenan befindet sich eine laute Baustelle, die er nur beiläufig mitbekommt. Auf einmal hört er vergleichsweise leise jemanden seinen Namen sagen. Was wird er tun?

Gerade war er noch mit Schreiben beschäftigt. Den Baustellen-Lärm hatte er ausgeblendet. Aber als er im Lärm leise seinen Namen hört, schaut er auf. Sein Bezugsrahmen hat dem Namens-Reiz eine höhere Wichtigkeit beigemessen, obwohl die Lautstärke seines Namens viel leiser war als der Baustellen-Lärm. Deswegen schaut er auf und bemerkt, dass Robin hinter ihm steht.

Das ist ein plakatives Beispiel, um dir zu zeigen, wie der Bezugsrahmen funktioniert. Durch Priorisierung werten wir bestimmte Informationen auf und andere ab.

Schwieriger wird es schon, als Daniele Robin anlacht. Normalerweise glaubt sie schnell zu erkennen, um was für ein Lachen es sich handelt. Diesmal jedoch hinterfragt sie es. Es ergeben sich mehrere Möglichkeiten für sie:

  • Sie wurde angelacht, weil Daniele sie mag
  • Sie wurde von Daniele ausgelacht
  • Sie wurde angelacht, weil sie etwas Witziges gesagt hat
  • Daniele hat gar nicht ihretwegen gelacht

Häufig bewerten wir Reize, wie das Lachen von jemanden anders, unbewusst mit unserem Bezugsrahmen und hinterfragen das nicht weiter. Genauso hat das Daniele gemacht, als er den Mann aus dem Geschäft kommen sah. Die Frage ist nur:

Was lässt der Rahmen zu uns durch und zu welchem Zweck?

Der Hauptzweck ist dein derzeitiges Weltbild immer wieder zu bestätigen und somit stabil zu halten. Das gibt Stabilität und Orientierung. Es hat sich zudem als funktionstüchtig erwiesen, als das du bis zum heutigen Tag überlebt hast. Somit hat dein Bezugsrahmen erst einmal seine wichtigste Aufgabe erfüllt. Er ermöglicht er dir, automatisch und ohne Mühe Reize aus der Umwelt einzuordnen. Das tust du anhand von vergangenen Erlebnissen und den Schlüssen, die du aus ihnen gezogen hast. Beispielsweise aus deiner Kindheit, wie du ja bereits weißt. Auf diese Weise findest du dich in der Welt zurecht.

Daniele hat als Kind von seinem Vater öfter zu verstehen bekommen, dass er weniger wert sei als die Großen. Denn die können mehr. Aus diesen Erlebnissen hat er einen unbewussten Schluss gezogen. Wenn man stärker/fähiger ist als jemand anders, ist man was Besseres. Das wollte er auch. Deswegen hat er sich daran gemacht, stärker/fähiger als andere zu sein und somit für sich die Berechtigung erworben, sich besser als andere zu fühlen (+/-). Wenn Daniele jedoch beim Basketball verliert, denkt er sich: “Basketball ist doch nicht relevant für das echte Leben.” - und wertet diese Information ab, die für sein Weltbild gefährlich werden könnte.

Als Daniele zum Büro ging und der fremde Mann aus dem Geschäft kam, hat Danieles Bezugsrahmen ihm ebenfalls die Information zukommen lassen: “Der ist uncooler als du. Du kannst dich ihm jetzt überlegen fühlen.”

Mit diesem Gedanken stabilisiert Danieles Bezugsrahmen seine Lebensgrundposition “Ich bin okay, du bist nicht okay”. Das ist die Aufgabe des Bezugsrahmens: Sein derzeitiges Weltbild stabil zu halten. Das tut er, indem Informationen aus der Umwelt mitunter verzerrt werden. Diese Verzerrungen können verschiedene Formen annehmen.

Ein Freund ist bei Robin. Sie wollen gleich noch nach draußen und was essen gehen. Der Freund fragt sie: “Können wir los?” - mit der Idee eine Auskunft darüber zu erhalten, wie weit sie ist. Beantwortet Robin die Frage unverzerrt, antwortet sie mit ja oder nein. Verzerrt sie, könnte das so aussehen:

  • Ignorieren: Sie antwortet gar nichts
  • Abwerten: “Ja, später.” Die Information wird als nicht so wichtig erachtet
  • Aufwerten: “Ich beeile mich wie verrückt…” Losgehen wird als sehr dringlich empfunden
  • Umdeuten: “Wenn ich mal zählen würde, wie oft ich auf dich warte…” Die Antwort spielt auf die Beziehung zwischen den beiden an und bezieht sich nicht mehr auf die Sache

Auf dem Weg zum Büro hat Danieles Bezugsrahmen hat seine Wahrnehmung verzerrt, indem er der Mann abgewertet hat er somit besser vor sich selbst dastand.

Daniele bemerkt was er denkt, bleibt stehen und fragt sich: ”Was war das denn jetzt für ein Gedanke?” Er ist sich bewusst, dass er gerade die Lebensposition “Ich bin okay, du bist nicht okay” eingenommen hat. Er weiß auch, dass diese Lebensposition nicht unbedingt sinnvoll für ein erfülltes und zufriedenes Leben ist.

Stell dir vor Daniele wäre durch irgendeinen Umstand mit dem Mann ins Gespräch gekommen. Ihr erster Austausch wäre durch seinen negativen Initial-Gedanken schon getrübt gewesen. Der Mann könnte sich daraufhin denken: “Oh, der ist aber arrogant.” Zu Recht. Damit wäre die Beziehung zwischen den Beiden schon nicht mehr unbelastet. Darüber hinaus wäre es wahrscheinlich, dass Daniele diese Haltung auch noch in anderen Situationen zeigt. Auf diese Weise kann eine solche scheinbar unbedeutende Situation auf ein ganzes Schicksal hinweisen.

Allerdings kann Daniele seinen Bezugsrahmen nicht grundlegend von einen auf den anderen Tag ändern. Das würde ihn völlig überfordern. Er wüsste überhaupt nicht mehr, wie er Reize neu einordnen sollte. Er kann jedoch seinen Bezugsrahmen nach und nach um weitere Möglichkeiten erweitern.

Daniele findet seinen ersten Gedanken in Bezug auf den Mann unbefriedigend. Deswegen entscheidet er sich mutig die Situation noch einmal neu zu bewerten: „Ich kenne ihn doch gar nicht. Vielleicht ist er ja total nett und wir würden beste Freunde werden? Wer weiß…“ Damit nimmt er aktiv eine Haltung ein von: “Ich bin okay, du bist okay.”

Du weißt, dass Angst und mit ihr verwandte Gefühle (wie Scham und Peinlichkeit) verantwortlich dafür sind, dass du manchmal nicht zu dir und deinen Wünschen stehst. Du weißt jetzt auch, wie deine Ängste entstehen. Und du weißt, dass dein Bezugsrahmen der Grund dafür ist, dass dein Weltbild stabil bleibt. Informationen werden manchmal so verzerrt, dass sie passen und du dich selbst nicht in Frage stellen musst.

Mutig dein Leben meistern

Ängste überwinden und Herausfordungen meistern mit einem Mut-Mindset


Zusammenfassung

  • Ängste überleben bis ins Erwachsenenalter durch Gewohnheiten
  • Wir treffen als Kind eine der 4 Grundentscheidungen
  1. Ich bin okay, du bist okay (+/+)
  2. Ich bin okay, du bist nicht okay (+/-)
  3. Ich bin nicht okay, du bist okay (-/+)
  4. Ich bin nicht okay, du bist nicht okay (-/-)
  • Unser Grundrauschen kann sich in unterschiedlichen Situationen auch ändern
  • Jeder Mensch besitzt unterschiedliche Realitätsfilter und nimmt deswegen die Umwelt anders wahr
  • Wie Umweltreize bewertet werden, ist von Mensch zu Mensch verschieden
  • Durch Priorisierung werten wir bestimmte Informationen auf und andere ab
  • Der Hauptzweck deines Bezugsrahmens ist dein derzeitiges Weltbild immer wieder zu bestätigen und somit stabil zu halten
  • Wir verzerren Informationen durch Aufwertung und Abwertung so, dass sie zu unserem Weltbild passen - auf diese Weise bestätigen wir uns immer wieder unser Weltbild



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Durch welche Mechanismen schaffen es unsere Ängste, bis ins Erwachsenenalter zu überleben und dabei ihre Macht immer weiter auszubauen? Das erfährst du in diesem Artikel.
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