• 11. Dezember 2017

DAS DRAMA-DREIECK TRANSAKTIONSANALYSE - KONFLIKTE UND DRAMA VERMEIDEN 

Das Drama-Dreieck hilft dir, Konfliktpotential schon vor dem Entstehen von Streit zu erkennen. Sei es Stress in der Partnerschaft, Konflikte mit Kollegen oder Vorgesetzten im Beruf oder Zwist mit Familienangehörigen. Es zeigt dir Möglichkeiten auf, wie du Streitigkeiten und Dramen aus dem Weg gehen kannst. Das Drama-Dreieck ist ein Konzept der Transaktionsanalyse (TA). In diesem Artikel wirst du das Drama-Dreieck kennenlernen und verstehen, wie du es anwenden kannst, um Drama schon im Vorfeld zu vermeiden. Du lernst ebenfalls Strategien kennen um auszusteigen, falls du dich schon auf dem Weg ins Drama befindest.

1. Was ist das Drama-Dreieck? Wie funktioniert es?

Mit dem Drama-Dreieck kann beispielsweise beschrieben werden, wie sich unter bestimmten Bedingungen aus einem gut gemeinten Gefallen, ein Streit entwickeln kann. Mit ihm können Interaktionsmuster dargestellt werden. Es deckt auch eine bestimmte Kommunikationsstruktur auf. 

Das Drama-Dreieck der Transaktionsanalyse (TA) beschreibt drei mögliche Positionen, die Menschen einnehmen können. Sie können zu unheilvollen Verstrickungen führen. Es besteht aus 3 Positionen: 

  1. Der Retter-Position

  2. Der Verfolger-Position

  3. Der Opfer-Position

Menschen sind nicht per se Retter, Verfolger oder Opfer. Sie verhalten sich lediglich in bestimmten Situationen als solche. Dabei blenden sie immer einen oder mehrere Aspekte der Realität gewohnheitsmäßig aus oder werten sie unbewußt ab. Gleichzeitig vermeiden sie es auf diese Weise, ihr Beziehungskonzept (Bernd Taglieber) und ihre Grundüberzeugungen hinterfragen zu müssen.

Ein Verhalten innerhalb des Drama-Dreiecks erzeugt Dramen im

Kommunikationsgeschehen und/oder in Beziehungen.  

Das bedeutet, dass sich letztlich alle Beteiligten mindestens schlecht fühlen werden. Das kann aber auch bedeuten, dass es zu größeren Konflikten oder gar zu Handgreiflichkeiten kommen kann.

Gelingt es dir außerhalb des Drama-Dreiecks zu agieren, dann nimmst du keine der Rollen im Dreieck ein und besetzt damit eine neutrale Position. 

Keine Rolle einzunehmen hat mehrere Vorteile. Nicht ins Dreieck einzusteigen vermeidet auf lange Sicht Beziehungsdramen und trägt damit zu einem Leben bei, welches frei ist von unnötigen Konflikten. Dem Drama wird von zwei Seiten Wind aus den Segeln genommen:

  1. Indem du durch dein Verhalten keine anderen Personen zum Drama einlädst. 

  2. Indem du auf Einladungen von anderen nicht mehr eingehst.

Damit gibst du den negativen Dynamiken im Drama-Dreieck kein Futter. Die Alternative zum Drama-Dreieck besteht also darin, erst gar nicht eine der Positionen im Dreieck einzunehmen, sondern die Verführungen zu erkennen und ihnen zu widerstehen.

Besetzt du jedoch eine der unheilvollen Rollen, dann spielst du wahrscheinlich mit anderen ein unbewusstes psychologisches Spiel, welches im Endeffekt zu Drama und miesen Gefühlen führen wird. Das passiert durch einen plötzlichen Rollenwechsel innerhalb des Dreiecks.

Das Trickreiche am Drama-Dreieck ist, dass man in einer Position startet, jedoch dann ein Rollenwechsel stattfinden kann. 

Dadurch verändert sich die Beziehungsdynamik. Alle Beteiligten fühlen sich überrascht, verwirrt oder unverstanden.

Ein Beispiel: Ein Kollege fragt sich, scheinbar laut denkend: “Wie ordne ich den Vorgang nur zu?” Dabei schaut er etwas ratlos drein. Eigentlich sind die Möglichkeiten der Zuordnung überschaubar. Ein solches Verhalten, tritt es öfter auf, könnte ein Indiz für das Einnehmen der Opfer-Position sein.

Eine Kollegin springt auf die “Einladung” (ratlos schauen und die ungerichtet in den Raum gestellte Frage) an und entgegnet: “Du kannst es ja zu Vorgang B ordnen.” Damit übernimmt die Kollegin das Denken für den Kollegen. Der entgegnet möglicherweise mit “Ah ja, danke!” Die Kollegin hat das Nachdenken und die Verantwortung für den Vorgang übernommen.

Daraus können sich mehrere Drama-Optionen ergeben.

1. Falls irgendwann mal etwas mit der Zuordnung nicht stimmen sollte, könnte der Kollege die Kollegin verantwortlich machen. Dann würde er von der Opfer-Position in die Verfolger-Position wechseln und seine Kollegin wiederum ins Opfer drängen: “Du hast gesagt, dass ich das so machen soll!” Beide fühlen sich schlecht.

2. Oder aber die beiden spielen noch eine Weile in ihren Rollen weiter. Die Kollegin kommt sich mit ihren Ratschlägen hilfreich vor, und hilfreich sein passt gut in ihr Beziehungskonzept. Der Kollege folgt der angebotenen Orientierung und muss selbst keine Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Nach einer gewissen Zeit könnte die Kollegin es satt haben, ständig Verantwortung für ihren “unfähigen” Kollegen übernehmen zu “müssen”. Sie könnte von der Retter-Position in die Verfolger-Position wechseln: “Du kannst echt nichts alleine!” Und wieder: Beide fühlen sich mies.

3. Eine weitere Version könnte sein, dass sich die Kollegin durch das unbewusste “sich unfähig darstellen” des Opfers, ermuntert fühlt, weitere Tipps zu geben. Nach einiger Zeit ist der Opfer-Kollege genervt von seiner Kollegin. Er könnte auf Distanz gehen oder sie angreifen: “Du führst dich hier auf als wärest du mein Chef!” Beides sind Ausdrücke der Verfolger-Position und drängen die Kollegin von der Retter- in die Opfer-Position. Du kannst es dir sicherlich schon denken: Beide würde sich schlecht fühlen.

Es könnte langfristig auch dazu kommen, dass die beiden nicht mehr zusammen in einem Büro sitzen wollen oder Schlimmeres. 

Lass uns jetzt genauer auf die einzelnen Rollen im Drama-Dreieck schauen, bevor wir uns anschauen, wie wir psychologische Spiele im Drama-Dreieck der Transaktionsanalyse vermeiden.

2. Die Retter-Position: Ich helfe dir!

Menschen, die häufig die Retter-Position besetzen, werden von der Gesellschaft im Allgemeinen als großzügig und hilfsbereit wahrgenommen. Doch sie haben auch die Neigung, andere in ihrer Fähigkeit selbst nachzudenken und selbstverantwortlich zu handeln, unbewusst abzuwerten. Ihre grundsätzliche und unreflektierte Idee, wie man mit anderen in Beziehung kommt, besteht darin geben zu müssen. Nur wenn sie mehr geben als nehmen, glauben sie in einer Beziehung sicher verbunden zu sein (Bernd Taglieber). Sie tun dies aus einer fürsorglichen Elternhaltung (fürsorgliches Eltern-Ich) heraus. Damit werden die Beziehungspartner tendenziell zu Kindern!

Menschen besetzen die Retter-Position, weil sie eine Grundhaltung anderen Menschen gegenüber haben, alle könnten ihre Hilfe gebrauchen. Ihre (unbewusste) Lebensgrundposition lautet: „Ich bin okay, wenn ich hilfreich sein kann./ Andere brauchen mich.“ Sie haben in ihrer Kindheit gelernt, dass sie mit Hilfsangeboten und ihrer kindlichen Fürsorglichkeit gut bei Mama oder Papa ankamen und haben diese Erfahrung zu ihrem grundsätzlichen Beziehungskonzept ausgeweitet. Um fürsorglich sein zu können, müssen sie auf die Defizite ihrer Bezugspersonen fokussiert sein. Das heißt, alle Menschen, mit denen sie es zu tun bekommen, sind auf irgendeine Art defizitär und brauchen demzufolge Unterstützung.

Ein Mensch, der die Retter-Position besetzt, sorgt sich gerne um andere. Hier ein paar Beispiele:

1. Die Mutter beklagt sich bei ihrem erwachsenen Sohn am Telefon darüber wie schrecklich alles ist. Der Sohn verfällt immer mehr in Sorge um seine Mutter und fühlt sich verpflichtet, seiner Mutter unter die Arme zu greifen. Er hilft, ohne direkt um Hilfe gebeten worden zu sein.

Der erwachsene Sohn wird zu Anschaulichkeitszwecken etwas jünger dargestellt

2. Ein Teilnehmer liest während eines Seminars laut vor. Dabei kommt er ein wenig ins Stocken. Sofort kommt ein anderer Seminarteilnehmer zu Hilfe und beendet den Satz korrekt.

Das Drama-Dreieck ist ein Konzept der Transaktionsanalyse (TA). Sie bietet dir noch viele weitere interessante Konzepte. Mit meinem Grundkurs kannst du deine kommunikativen Fähigkeiten erweitern.

3. Die Verfolger-Position: Ich weiß es besser!

Menschen, deren Lieblingsrolle im Dramadreieck Transaktionsanalyse die Verfolger-Position ist, werden häufig als dogmatisch, selbstgewiss oder streng wahrgenommen. Sie verstehen es, andere in die Defensive einzuladen. Ihnen ist es wichtig, sich überlegen zu fühlen. Sie wissen genau, was richtig und was falsch ist, und denken stark in schwarz-weiß Kategorien. Sie treten oft auf wie überkritische Eltern oder Lehrer.

Personen aus der Verfolger-Position werten häufig andere ab. Verfolger besetzen die Position: „Ich bin in Ordnung, die anderen sind nicht in Ordnung, ich muss sie darauf hinweisen.“, so wie es auch die Retter tun. Allerdings sind sie nicht fürsorglich unterwegs, sondern streng und kritisch (kritischer Eltern-Ich Zustand).

„Mein Chef wird nie eine echte Führungskraft.” „Meine Ex ist beziehungsunfähig.” „Alles Idioten.” - Das könnten Äußerungen eines Menschen sein, der die Verfolger-Position besetzt.

Verfolger verfolgen, weil sie sich durch ihr Verhalten Rechtfertigung verschaffen, sich intelligenter, stärker und überlegen zu fühlen. Sie vertreten die Grundüberzeugung: „Ich bin okay, die anderen sind nicht okay.“ Diese Grundüberzeugung bestätigen sie sich, indem sie andere Personen zu Opfern machen. Menschen, deren Lieblingsposition der Verfolger ist, brauchen andere Menschen, denen sie sich überlegen fühlen können. Seien es der Partner, Kollegen, die Nachbarn, Freunde, die andere Fußballmannschaft oder das Nachbarland. Mann gegen Frau, Schalke gegen Dortmund, Amerikaner gegen Mexiko usw. Sie pochen auf die Unterschiede.

Personen, die die Verfolger-Rolle besetzen:

  1. Wissen es besser: „So ist das richtig.“ „Das macht man so.“ „Das gehört sich nicht.“

  2. Streben danach, hierarchisch überlegen zu sein: Der Verfolger bestimmt im Café den Platz, geht voraus.

  3. Beschuldigen andere: „Das ist allein deine Schuld.“

Der Gedanke, mit anderen auf Augenhöhe zu stehen, bereitet Menschen in der Verfolger-Position Unbehagen. Doch tatsächlich läge im „nicht besser Sein“ eine Chance für sie. Es böte nämlich die Chance, sich selbst mit seinen Unzulänglichkeiten zu erkennen, und die Möglichkeit in Beziehung auf Augenhöhe mit anderen zu kommen. Personen, die die Verfolger-Positionen besetzen, fühlen sich nämlich oftmals auch isoliert und unverstanden. Dieses Gefühl könnte ihr “Ruf” sein, ihre Grundhaltung zu überdenken.

4. Die Opfer-Position: Ich kann das nicht!

Menschen, die die Opfer-Rolle besetzen, präsentieren sich anderen gegenüber häufig als schwach und hilflos. Diese Personen werten sich selbst, ihre Fähigkeit zu denken und die Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen, ab. Sie zeigen nach außen oft ein schwaches Selbstbewusstsein. Manche zeigen auch nur in bestimmten Situationen verstärkt Hilfsbedürftigkeit.

Ein echtes Opfer – im Gegensatz zum Drama-Opfer – kommt unverschuldet in eine Notsituation und trägt zu seiner Situation selbst nichts bei. Zum Beispiel ein Ertrinkender. Echte Opfer können unter anderem auch daran erkannt werden, dass sie ihren Rettern gegenüber dankbar sind, weil eine Not abgewendet wurde. Es war notwendig einzugreifen. Das hat nichts mit dem Drama-Dreieck zu tun.

Opfer im Sinne des Drama-Dreiecks tragen zu ihrer eigenen Situation selbst mit bei. Sie unternehmen auch keine Anstrengung aus ihr herauszukommen und laden andere zu Rettungsaktionen ein mit ihrem Verhalten. Manchmal stimulieren sie aber auch einen Verfolger zum Eingreifen. 

Ein Drama-Opfer sucht sich also unbewusst seinen passenden Drama-Retter oder -Verfolger und umgekehrt. Es entsteht ein gefühlter Sog zwischen den Rolleninhabern, der es für beide interessant macht, im Drama- Dreieck zu kommunizieren.

Denn Menschen, die psychologische Spiele im Drama-Dreieck spielen, haben auch einen Gewinn. Sie tauschen viel Aufmerksamkeit und negative Zuwendung untereinander aus. Aufmerksamkeit ist ein Grundbedürfnis, dass sich jeder Mensch erfüllen muss. Menschen, die im Drama-Dreieck agieren, haben gelernt sich Aufmerksamkeit nicht direkt zu holen, sondern über einen meist schmerzlichen Umweg.

5. Keine Lust mehr auf Drama? 7 Möglichkeiten zum Ausstieg

Nachdem wir uns angesehen haben, wie die Positionen des Drama-Dreiecks aufgebaut sind und wie sie sich als Rollen auswirken, möchten wir dir nun 7 Möglichkeiten an die Hand geben, aus dem Drama-Dreieck auszusteigen.

1. Triff deine Entscheidung gegen das Drama. Grundsätzlich kann es hilfreich sein, eine generelle Entscheidung gegen Dramen in Beziehungen zu fällen und sich stattdessen für Verantwortungsübernahme und aktive Beziehungsgestaltung zu entscheiden. Eine solche Entscheidung könnte so aussehen:

2. Bleibe geduldig. Es wird dir anfangs nicht gelingen jedes Drama-Spiel zu erkennen und sofort auszusteigen. Das ist auch okay, solange du dich nicht fertig machst. Denn es ist doch super, wenn du anfängst Drama-Spiele zu erkennen. Das ist der erste Lernschritt. Er gibt dir die Chance, in einem nächsten Schritt auszusteigen.

Deswegen kannst du entspannt bleiben, wenn dir Drama-Spiele noch zustoßen. Sie sind noch Teil deiner gewohnheitsmäßigen Beziehungsgestaltung und es braucht auch etwas Zeit, Lernbereitschaft und Achtsamkeit, diese Gewohnheiten zu verändern.

3. Kenne deine Lieblingsrolle. Ein weiterer wichtiger Schritt besteht im Wissen um die eigene Lieblingsrolle – wie man sich in sie einladen lässt und wie man sie auslebt. 

Kannst du das konkrete Verhalten benennen, wie du dich in deine Rolle einladen lässt und wie du dann in deiner Rolle reagierst?

Ich (Steffen) gebe dir mal ein Beispiel aus meinem Leben: Meine „Lieblingsrolle“ ist die Retter-Position. Wenn sich meine Freundin bei mir über ein Problem beklagte (Einladung), reagierte ich mit gut gemeinten Ratschlägen (Verhalten) und bin später sauer, wenn sie diese nicht befolgt (Rollenwechsel in den Verfolger).

Als ​mir meiner „Lieblingsrolle” dann bewusst wurde, reagierte ich nur noch, indem ich zuhörte und Mitgefühl für ihre Lage aufbrachte.

In meinem Buch erfährst du detailreich und praxisnah, wie du das Drama-Dreieck anwenden kannst, um deine Beziehungen zu verbessern.

4. Ignoriere Einladungen. Tu’ so, als ob du die Einladung gar nicht gehört hättest, und mache mit dem weiter, was du bisher getan hast. Beim Training treffe ich (Steffen) einen Freund. Der erzählt mir jedes Mal, wie schrecklich seine Arbeit doch ist. Das interpretiere ich als Opfer-Position und entscheide mich deswegen auf keinen Fall retten zu wollen. Deswegen ignoriere ich seine Klage und beginne mit einem anderen Thema: “Mal sehen, was wir heute für Übungen im Kurs machen.”

Ich bin nicht unhöflich, denn ich wurde nicht um Hilfe gebeten. Die Situation sähe anders aus, hätte mein Freund mich gefragt: “Steffen, was würdest du in dieser Situation machen? Kannst du mir einen Tipp geben?” Oftmals ändern Dauerkläger nichts an ihrer Situation. Ich sehe mich nicht als ihr emotionaler Abfalleimer. Denn ständiges Nörgeln raubt auf ungute Weise Energie.

Du kannst auch hilfsbereit bleiben - wenn du Gefälligkeiten aus freien Stücken und ohne Abwertung der Fähigkeiten anderer tust. Dein Partner freut sich bestimmt, wenn du ihm am Sonntag mit einem Frühstückstisch überraschst.

5. Übernimm’ keine Aufgaben, die du nicht wirklich tun willst. Es gibt Menschen, die hören sich stundenlang das Gejammer ihrer Freunde und Familienangehörigen an und kommen dabei in Erschöpfungszustände. Du könntest in einer entspannten Situation ankündigen, dass du das nicht mehr möchtest. Es gibt auch überarbeitete Angestellte, die für ihren kranken Kollegen in die Bresche springen und sich auf diese Weise letztendlich selbst ausbrennen. Auch hier lohnt es sich, auf sich zu achten und die eigenen körperlichen Anzeichen, wie beispielsweise Unlust oder Müdigkeit, ernst zu nehmen.

Es lohnt sich, sich selbst treu zu bleiben, in der Partnerschaft, in der Familie, bei Freunden und bei der Arbeit, und nur die Dinge zu tun, die man ​wirklich tun will. Eventuell entstehende unangenehme Gefühle (z.B. Schuldgefühle) sind zunächst normal und vorrübergehend. Du kannst sie sogar als “Anzeiger” für deinen Entwicklungsfortschritt erkennen. Wenn es dir also wieder einmal in den Fingern juckt die Retter-Rolle einzunehmen, kannst du es doch ruhig einmal darauf ankommen lassen und schauen was passiert, wenn du nicht eingreifst. Außerdem gibst du damit anderen Menschen die Möglichkeit ihre Selbstverantwortung wahrzunehmen.

Eine Mutter berichtete neulich, dass ihr Sohn im Teenager-Alter sie nach Aufgaben fragte, um sein Taschengeld aufzustocken. Sie übergab ihm eine Aufgabenliste. Nichts passierte. Normalerweise hätte die Mutter nachgehakt. Aber sie hatte im Grundkurs Transaktionsanalyse gelernt, es auch einmal drauf ankommen zu lassen. Sie gab die Retter-Position auf und mischte sich nicht in die Belange ihres Sohnes ein. Nach drei Tagen fing der Sohn selbstständig an, seine Aufgaben zu erledigen.

Erkenne die Einladungen und zügle deinen Appetit darauf, die Einladung anzunehmen.

6. Überdenke deine Haltung. Menschen, die bevorzugt die Verfolger-Rolle besetzen, können anfangen, ihre Haltung gegenüber anderen Menschen zu überdenken. Wenn du zum Beispiel mal wieder jemanden für sein Verhalten verurteilst, darfst du schauen, in welcher Situation du dich selbst auch schon einmal so verhalten hast. Die Verfolger-Rolle kann auch als Schutz gesehen werden. Schutz vor den eigenen dunklen Seiten, indem man sich überhöht und andere angreift, um nicht die eigenen Schwächen sehen zu müssen. Echtes Selbstwertgefühl braucht es nicht andere kleinzumachen, um sich selbst gut zu fühlen.

Menschen, die bevorzugt die Verfolger-Position besetzen, haben die Möglichkeit sich zu fragen: „Wie würde ich fühlen, denken und mich verhalten, wenn ich andere als selbstverantwortlich und in Ordnung wahrnehmen könnte?“

7. Traue dir was zu. Für Menschen, die bevorzugt die Opfer-Position besetzen, ist es wichtig, das eigene Denken sowie Selbstverantwortung zu entwickeln. Sie dürfen sich fragen: „Wenn über Nacht ein Wunder geschehen würde und ich selbstverantwortlich denken und handeln könnte: Wie würde ich handeln?“

Personen in der Opfer-Rolle haben nicht gelernt Verantwortung zu übernehmen. Oftmals aus der Angst heraus, sie könnten zu viel verlieren - ein Gedanke kindlicher Natur. Du könntest dich fragen: „Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen, um ... in mein Leben zu bringen?“

Angenommen du willst Smalltalk lernen. Du könntest dich fragen: „Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen, um Smalltalk erfolgreich anwenden zu können?“ Denke dabei an Zeit, Geld, negativ empfundene Emotionen - wie Scham, Beziehungen, Risiko des Scheiterns in Prozent oder Überwindung. Du könntest dann zu folgender Aussage kommen: „Mein Preis:

  1. Ich übe dreimal pro Woche für eine Stunde.

  2. Ich kaufe mir drei Bücher zum Thema und lese diese.

  3. Ich bin bereit meine Angst auszuhalten.

  4. Ich nehme das Risiko in Kauf von anderen zurückgewiesen zu werden.

  5. Sollte es mit diesem Preis nicht klappen, buche ich mir ein Praxisseminar.

  6. Ich bin bereit insgesamt 500 Euro in diese Fähigkeit zu investieren.

  7. Mein Risiko des Scheiterns schätze ich derzeit auf 80% am Anfang ein. Das bedeutet von 10 Smalltalks gelingen mir 2. Aber immerhin werde ich auch zweimal erfolgreich sein. Mit weiterer Übung wird sich meine Prozentzahl verbessern.“

6. Schnelle Übung zum Drama Dreieck

Jetzt beschreiben wir dir eine Situation und du kannst einmal überlegen, wie jemand, aus den unterschiedlichen Rollen des Drama-Dreiecks heraus, denken und wie er oder sie sich verhalten würde. Anschließend kannst du noch überlegen, was jemand aus einer neutralen Position heraus denken und tun würde:

Du bist im Restaurant mit einem Freund. Ihm wird ein Kaffee  gebracht, der schwarz und nicht gesüßt ist, obwohl er ihn mit Milch und Zucker bestellt hat. Er beschwert sich darüber am Tisch bei dir, handelt aber nicht. Was würde der Retter, Opfer, Verfolger, neutrale Position denken und wie würden sie sich verhalten?

  1. Retter: ... (mögliche Gedanken und Handlung)

  2. Opfer: ... (mögliche Gedanken und Handlung)

  3. Verfolger: ... (mögliche Gedanken und Handlung)

  4. neutrale Position: ... (mögliche Gedanken und Handlung)

 

Lösung: Jemand in der Retter-Position könnte sich denken: "Ich gebe mal einen Tipp." und sagt dann: "Frag doch den Kellner nach Zucker und Milch." Oder er würde den Kellner gar selbst herbeirufen. 

Jemand in der Opferposition könnte denken: "Das ist traurig, dass man nicht bekommt was man bestellt hat." und er oder sie würde hilflos umher schauen. 

Jemand in der Verfolger-Position könnte denken: "Albern, worüber der sich aufregt." und dann sagen: "Ist das Dein Ernst, dass du das Problemchen nicht geregelt bekommst?" 

Jemand in der neutralen Position könnte denken: "Mmh, okay." und entgegen: "Mmh" oder die Aussage einfach ignorieren, denn es scheint dem Freund doch nicht so wichtig zu sein Milch und Zucker zu haben.

Zum Drama-Dreieck der Transaktionsanalyse gäbe es noch wesentlich mehr zu ergänzen und zu erzählen. 

Es gibt weitere Ausstiegs- und Analysemöglichkeiten, um zu erkennen was du tun könntest, falls jemand anders versucht dich ins Dreieck zu ziehen. Informiere dich über das Buch über das Drama-Dreieck. Dort bekommst du Übungen und mehr, um das Drama-Dreieck für dich zu meistern.

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, freuen wir uns über einen Kommentar. Auch Kritik, Ergänzungen und Rechtschreibfehler im Text arbeite wir gern in diesen Beitrag mit ein.

 

Viele Grüße

Steffen und Bernd

Artikeldaten:
Drama Dreieck: Hier erfährst du alles über das Drama Dreieck der Transaktionsanalyse
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Drama Dreieck: Hier erfährst du alles über das Drama Dreieck der Transaktionsanalyse
Kurzbeschreibung:
Das Drama Dreieck beschreibt eine ungesunde Beziehungsdynamik zwischen Menschen. Hier lernst du wie du aus dem Drama aussteigen kannst.
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Veröffentlicht:
Transaktionsanalyse-online
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  • Franziska sagt:

    Mega gut! Danke Euch! Verständlich aufbereitet, auch für Leute, denen das ein neues Feld ist.

  • Jutta sagt:

    Mir hat der Artikel super geholfen! Durch einen Fernlehrgang erschließt sich mir nicht alles und dies hier zu lesen,hat mir enorm geholfen. Danke dafür!

    • Steffen sagt:

      Hi Jutta, freut mich, dass dir der Artikel geholfen hat. Im Fernlehrgang bekommst du durch Videos noch mehr Verständnis. Außerdem gibt es Übungen. Und wenn er dir nicht gefällt, gibt’s das Geld zurück. Grüße, Steffen

  • Jeca sagt:

    Sehr gut erklärt: einfach, auf den Punkt gebracht und nachvollziehbare Beispiele.

  • Cornelia sagt:

    super auf den Punkt gebracht und noch dazu leserfreundlich gestaltet, danke für die Denkanstöße!

  • Ich danke Euch sehr für diesen tollen Artikel, auf den ich in der Vorbereitung auf ein Seminar gestoßen bin. Sehr schön erklärt mit vielen Beispielen. Sehr hilfreich. Danke

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