• 23. Oktober 2019

Burnout: Teil deiner Lebensgeschichte 

Der Burnout ist oft fester Bestandteil unserer Lebensgeschichte. Und wir haben ihn dort selber hineingeschrieben. Doch es gibt Hoffnung...

In diesem Artikel erfährst du wie es dazu kam und wie du das ändern kannst.

Der magische Entwurf deines Lebens 

In unserer Entwicklung durchlaufen wir eine besonders spannende Phase, die unser Leben und Erleben auf eine eigentümliche Weise beeinflusst. Es entsteht so etwas wie ein Entwurf, fast wie ein Drehbuch. In ihm sind unsere Rolle und die Rollen der Menschen, mit denen wir in unserem Leben zu tun haben, skizziert. Auch wie und wofür wir Energie einsetzen, ist dort hinterlegt. Somit auch Burnout Ursachen Wie kommt dieses Drehbuch zustande? Und vor allen Dingen: Welche Auswirkungen auf unser weiteres Leben hat es?

Mit dem Spracherwerb eines Kindes geht dessen Fähigkeit des bewussten Denkens einher. Hat ein Kind davor schlimme Erfahrungen gemacht, wurde es vernachlässigt oder unterversorgt, so gibt es später keine Möglichkeit mehr, durch Denken und Erinnern einen Zugang zu diesen Ereignissen zu finden. Es könnte sein, dass ein Mensch sich dann ständig mit einem diffusen Gefühl von “irgendwas stimmt nicht” herumschlagen muss. Therapeutisch ist dann ein Zugang am besten über eine körperorientierte Therapie möglich.

Die kindliche Logik, ein Energieräuber

Mit der Fähigkeit, die Welt in Sprache abbilden zu können, entsteht auch die Fähigkeit, Erklärungen für Wahrnehmungen und Erfahrungen zu finden. Wobei es für Kinder ein Leichtes ist, diese Erklärungen auch zu “erfinden”, wenn die kindliche Logik einen Schluss nahelegt. Warum scheint die Sonne? Ganz klar, weil sie uns wärmen will! Wie kommen die bunten Eier in den Garten? Na, weil der Osterhase sie versteckt hat! Warum fällt im Winter Schnee? Weil Frau Holle ihre Betten ausgeschüttelt hat! Warum hat Papa gemerkt, dass ich von seiner Schokolade genascht habe? Weil der Gott, der alles sieht, es ihm verraten hat! Warum ist Mama so wütend und böse? Weil sie eine Hexe ist! Warum wurde Mama, nachdem sie mich bestraft hatte und aus dem Haus gegangen war, vom Auto angefahren? Weil ich ihr Böses gewünscht hatte!

Die kindliche Logik wird von einem Paradigma bestimmt, das ohne Probleme zwischen belebter und unbelebter Welt hin und her wechseln kann, in dem Phantasie und Realität vermischt und Zusammenhänge erdacht werden, die uns als Erwachsene kaum mehr nachvollziehbar erscheinen. Ein Dreirad ist lebendig und es will nach Hause. Geht es dem Dreirad schlecht, wenn es auf dem Kopf steht? Warum quietscht das Dreirad? Weil ihm etwas weh tut? 

Jedes Kind kommt auch mit Situationen und Phasen in Kontakt, wo es an seine Grenzen stößt oder sich überfordert fühlt. Ich kann das nicht (ich bin zu klein, zu schwach, zu dumm, zu faul, zu dick, zu dünn usw.). Es entwickelt dann, wie wir in der Transaktionsanalyse sagen, ein Nicht-OK-Gefühl und das entsprechende Denken über sich selbst. 

Du hast bestimmt schon erlebt, wie ein Kleinkind zum ersten Mal aus einer schweren Glasflasche Wasser in ein Glas füllen will. Es ist fest davon überzeugt, dass ihm das gelingen wird. Fällt das Glas um und die Flüssigkeit wird verschüttet, ist das zu verarbeiten. Wie die Erwachsenen in wiederholten Situationen damit umgehen, wird eine entscheidende Weichenstellung sein, was ein Kind sich in ähnlichen Situationen oder grundsätzlich zutraut. Diese und andere Nicht-OK-Gefühle bleiben starke Trigger in unserem Erwachsenenleben. Sie können die ursprünglichen Überzeugungen und Erfahrungen aus unseren Kindertagen wieder aufrufen.Und sie können sehr energiezehrend sein.

Im “So-tun-als-ob” wechseln Kinder spielend in eine Welt, in der alles lebendig ist und alles in einem Zusammenhang mit ihnen steht. Wissenschaftlich spricht man von einem animistischen und magischen Denken. Der Schweizer Entwicklungspsychologe Jean Piaget führte diesen Begriff ein. Insbesondere Phänomene, die für Kinder nicht erklärlich sind, werden in dieser Weise erklärbar gemacht. 

Warum haben sich Papa und Mama getrennt? Weil ich nicht brav genug war!

In der Beratung und im Coaching ist es eine der herausforderndsten Aufgaben, solchen frühen Schlussfolgerungen auf die Spur zu kommen. Falsch liegen würde derjenige, der glaubt, dass solche frühen Schlussfolgerungen keinen Einfluss mehr auf unser Erwachsenen Leben hätten. Manche Menschen bemühen sich, ein Leben lang brav zu sein, ohne zu ahnen, dass sie das unbewusst tun, um ein Drama abzuwenden. Und sie verbrauchen dabei viel unnütze Energie.

Wie du das vermeiden kannst, erfährst du in unserem Ratgeber:

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Das Lebensskript - Drehbuch unseres Lebens

Der Begründer der Transaktionsanalyse, der amerikanische Psychiater und Autor Eric Berne, hat ein Konzept entwickelt, das er dem Zeitraum des magischen Denkens zuschreibt. Er stellt die These auf, dass im Alter zwischen 3 und 7 Jahren Menschen eine Art Lebensplan beziehungsweise ein Skript entwerfen, in dem die eigene Rolle, die Rollen der anderen Menschen und die Bedeutung der Welt beschrieben sind. Fast wie in einem Drehbuch sind Szenen und Handlungsstränge hinterlegt, die in Analogie zu Märchen, Filmen oder Geschichten, die das Kind kennengelernt hat, konstruiert sind. Unseres Wissens nach erwähnt Berne allerdings nicht ausdrücklich das magische Denken im Sinne von Piaget. Gleichwohl beschreibt er die märchenhaften und magischen Phantasie-Fähigkeiten von Kindern. Fanita English, die Grande Dame der Transaktionsanalyse, bezieht sich ausdrücklich auf Piaget und macht einen wichtigen Unterschied in der Bedeutung des Skripts zu Berne. Während Berne ausschließlich auf die negativen Aspekte schaut, betont sie die positiven Möglichkeiten, die im Skript eingewoben sind. 

Zitat Fanita English: “Statt die Bildung eines Skripts durch das Kindheits-Ich zu bejammern, begrüße ich diesen Prozess. Es ist ein Ausdruck menschlicher Kreativität, dass Kinder eine Möglichkeit finden, während eines der fantasievollsten Stadien ihres Lebens eine aufregende Geschichte für sich selbst zu entwickeln. Mögen auch noch so viele irrationale Bestandteile in einem Skript vorhanden sein - z. B. verschlingende Ungeheuer, Fallgruben, Gefahren und sogar in vielen Fällen ein schreckliches Ende für einen unvorsichtigen Helden bzw. eine Heldin - so gibt es doch ebenso Märchenelemente von Begeisterung, Abenteuer, Liebe und wunderbare Fantasie. Oft enthält ein Skript auch alle möglichen magischen Tricks und Rezepte dafür, wie eine Katastrophe umgangen und wie Missgeschick in Glück verwandelt werden kann. Es sind diese Aspekte, die Anhaltspunkte dafür bieten, wie ein Mensch sich eher durch sein Skript verwirklichen kann als im Widerspruch zu und in Angst vor ihm.”

Lebensskript

Schöne und wundersame Geschichten beeindrucken uns als Erwachsene immer noch stark. Wir sind anfällig für Unglaubliches und eine Neigung für Verschwörungstheorien ist gerade in unserer Zeit kaum von der Hand zu weisen. Auch leben manche von uns ihren kindlichen Aberglauben noch unverblümt aus: Freitag der 13., die schwarze Katze, die uns über den Weg läuft, oder sieben Jahre Unglück, wenn man gewisse Nachrichten aus den sozialen Netzwerken nicht an sieben Mitmenschen weiterleitet. Wenn Du eine Sternschnuppe siehst und Dir was wünschst, dann geht dieser Wunsch in Erfüllung. Das glaubst Du nicht? Dann bist Du bestimmt heute Morgen mit dem linken Bein zuerst aufgestanden.

Die Sicht auf uns und die Welt, die wir in frühen Kindertagen entworfen haben, beeinflusst uns aus dem Unbewussten mehr als uns lieb ist. Das allgemein bekannteste Phänomen ist vielleicht der Umstand, dass Frauen und Männer aus gescheiterten Beziehungen immer wieder den gleichen Typus als nächsten Partner auswählen. Und das, obwohl das nächste Misslingen zu erwarten ist - was für Außenstehende schon vorher erkennbar ist. Der Ausspruch “Warum immer ich?” wird dadurch ebenfalls erklärbar. Dir fallen sicher noch andere Situationen ein, in denen Du als Außenstehender mit ungläubigem Staunen danebenstehst.

Den unbewussten und oft magischen Anteilen Deines Skripts auf die Spur zu kommen, ist mit Hilfe einer sogenannten Skriptanalyse möglich und hilfreich. Ob und wie viele energiezehrende Anteile aus Deinem Skript heraus entstehen, lässt sich ebenfalls herausfinden. Lass Dich dabei von erfahrenen Beraterinnen und Beratern begleiten.

Von Bernd Taglieber

Burnout Coaching

  • Burnout vorbeugen
  • Energiequellen erschließen
  • energiezehrende Verhaltensweisen ändern
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Burnout: Teil deiner Lebensgeschichte
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Burnout: Teil deiner Lebensgeschichte
Kurzbeschreibung:
Der Burnout ist oft fester Bestandteil unserer Lebensgeschichte. Und wir haben ihn dort selber hineingeschrieben. Erfahre, wie es dazu kam und wie du das ändern kannst.
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